Annuitätendarlehen

Die klassische Form des Baudarlehens

Beim Annuitätendarlehen zahlen Sie eine gleichbleibend hohe Rate zurück, in der Regel monatlich. Die Rate besteht aus einem Zinsanteil und einem Tilgungsanteil. Mit jeder Rate tilgen Sie einen weiteren Teil der Schulden aus dem Annuitätendarlehen, wodurch die Restschuld immer kleiner wird. Die Folge: Der Zinsanteil pro Rate sinkt, der Tilgungsanteil steigt. Annuitätendarlehen (oder -kredite) sind die am häufigsten genutzten Finanzierungsbausteine.

Übrigens: Die zu zahlende Rate nennt man Annuität (lateinisch annus = Jahr), da früher jährliche Raten üblich waren. Heute vereinbaren Banken und Kreditnehmer meistens eine Rückzahlung in Monatsraten von Annuitätendarlehen.  

Um Planungssicherheit zu erhalten, können Sie beim Annuitätendarlehen eine feste Verzinsung für eine bestimmte Zeit vereinbaren – die Zinsbindung. Üblich sind 5, 10 oder 15 Jahre. Es sind auch Bindungen von 20 Jahren oder länger möglich. Oder Sie wählen eine variable Verzinsung, bei der sich der Zinssatz theoretisch einmal pro Quartal verändern kann.                                                                  

Tipp

In Zeiten niedriger Zinsen sollte eine anfängliche Tilgung von mindestens 2-3 % gewählt werden. Wer im folgenden Beispiel nur 1 % Anfangstilgung wählt, 3,5 % Sollzins für die gesamte Darlehenslaufzeit unterstellt, braucht für die komplette Entschuldung 43 Jahre. Wer eine Anfangstilgung von 3 % wählt, ist bereits in 22 Jahren schuldenfrei.

Besondere Informationen

Rechenbeispiel Annuitätendarlehen

  • Kreditbetrag:                           150.000 EUR
  • Sollzins:                                   3,5 % pro Jahr
  • Tilgungssatz:                           2 % pro Jahr
  • Zinsbindung:                           20 Jahre
  • Folgezins nach 20 Jahren:      6,5 % (angenommen)

Annuität und Monatsrate

Die Annuität (der jährliche Rückzahlunsbetrag) berechnet sich aus 3,5 % Zins und 2 % Tilgung von 150.000 Euro, dem ursprünglichen Kreditbetrag. Ergebnis: eine Annuität von 8.250 Euro. Dividiert durch 12, ergibt sich eine gleichbleibende Monatsrate von 687,50 Euro.

So steigt der Tilgungsanteil

Die Tilgung beträgt im ersten Jahr 3.048,60 Euro, die Restschuld sinkt auf 146.951,40 Euro. Bezogen auf 150.000 Euro, entspricht der Tilgungsbetrag bereits 2,03 % p.a., also schon mehr als die anfänglichen 2,0 %.

Und so geht’s weiter: Durch ersparte Zinsen tilgt der Kreditnehmer im zweiten Jahr 3.157,03 Euro, also schon 2,1 % p.a. bezogen auf 150.000 Euro. Die Tilgungsrate am Ende des 10. Jahres liegt bei
2,7 % p.a., Ende des 20. Jahres bei 3,9 % p.a.

Die anfängliche Tilgung von 2,0 % p.a. gilt also nur für die allererste Monatsrate. Mit jeder weiteren Rate steigt er kontinuierlich an – und damit beschleunigt sich auch die Rückzahlung des Annuitätendarlehens immer weiter.

Die Zinsbindung beim Annuitätendarlehen

Als Kreditnehmer können Sie wählen, wie lange die Bindung sein soll. Angeboten werden Fristen von wenigen Jahren bis zu 40 Jahren.

  • ŸIst der Marktzins niedrig – wie zum Beispiel 2015 –, empfehlen sich 20 Jahre und länger.
  • ŸIn Zeiten hoher Marktzinsen wählt man eher kurze Zinsbindungen – in der Hoffnung auf niedrigere Zinsen nach Ablauf der Frist.

Während der Bindung wissen Sie genau, wie hoch Ihre monatliche Rate ist - und das verschafft Ihnen langfristige Planungssicherheit. Diese hat aber ihren Preis: Je länger der Bindungszeitraum, umso höher ist im Normalfall auch der Zinssatz.

Wie lang Sie Ihren Bindungszeitraum wählen, hängt von Ihrer Risikobereitschaft ab. Ihre Entscheidung treffen Sie auf Grundlage der aktuellen Informationen und Ihrer persönlichen Einschätzung über die zukünftige Zinsentwicklung.

Annuitätendarlehen Beispiel

Was ist sinnvoller ? 15 Jahre zu 2,4 % Sollzins oder 25 Jahre zu 2,9 % Sollzins. Jeder möchte natürlich Zins sparen und die kürzere Bindung ist günstiger zu haben. Ab welchem Zins für die Folgefinanzierung ab dem 16. Jahr wäre die längere Option unterm Strich günstiger gewesen?

Ergebnis: Die Wahl des 15jährigen Bindungszeitraums ist besser, wenn der effektive Folgezins ab dem 16. Jahr weniger als 5,05 % pro Jahr beträgt. Welche Annahmen über die zukünftige Zinsentwicklung Sie treffen wollen, können Sie natürlich nur selbst entscheiden. 

Gut zu wissen: Ein Annuitätendarlehen kann in der Regel erst zum Ende der Bindungszeit gekündigt werden. Ausnahme: Sie haben mehr als 10 Jahre vereinbart und seit der vollständigen Kreditauszahlung sind mehr als 10 Jahre vergangen. Dann können Sie den Kredit jederzeit ganz oder teilweise kündigen. Dabei gilt eine Kündigungsfrist von 6 Monaten. Dieses Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB besitzt nur der Kreditnehmer, nicht der Kreditgeber!

Variable Verzinsung als Alternative

Wenn Sie eine variable Verzinsung wählen, kann der Kreditgeber den Vertragszins je nach Marktzinsniveau nach oben oder unten anpassen. Das heißt, Ihre Rate kann sich immer wieder ändern. Steigen die Marktzinsen deutlich, besteht das Risiko, dass Ihre Finanzierung erheblich teurer wird.

Wann ist eine variable Verzinsung sinnvoll?

Anders als Kredite mit fester Bindung können variable Zinsvereinbarungen jederzeit mit einer dreimonatigen Frist gekündigt werden. Das kann sinnvoll sein, wenn Sie auf fallende Marktzinsen setzen – oder auf einen baldigen Geldzufluss (zum Beispiel durch Erbschaft), mit dem Sie den Kredit schnell ablösen können.

Tipp: Lassen Sie die Zinsanpassungsklausel im Kreditvertrag auf jeden Fall fachkundig überprüfen, etwa durch die Verbraucherzentrale. Denn der Kreditgeber sollte den variablen Zins nicht nur nach oben anpassen dürfen, wenn die Marktzinsen steigen. Er sollte den Zins auch rasch nach unten anpassen müssen, wenn die Marktzinsen fallen.

Annuitätendarlehen und Sondertilgungen

Es ist grundsätzlich sinnvoll, einen Kredit so schnell wie möglich zurückzuzahlen. Dies gilt natürlich auch für Annuitätendarlehen. Für zusätzliche Tilgungen mit Einmalbeträgen muss im Kreditvertrag ein Sondertilgungsrecht vereinbart werden. Ansonsten haben Sie keinen Anspruch darauf, Ihren Kredit mit Sondertilgungen schneller zurückzuführen.

Übliche Regelungen für Sondertilgungen sind:

  •  maximal 5 % des ursprünglichen Kreditbetrags pro Jahr
  • Ÿ Mindestzahlungen von 1.500 bis 2.500 Euro

Übrigens: Das Sondertilgungsrecht ist ein Recht und keine Pflicht. Sie müssen es nicht in Anspruch nehmen!

Sondertilgungsrechte können Ihren Kredit verteuern

  • Für das Sondertilgungsrecht kalkuliert Ihr Kreditgeber in der Regel einen Zinsaufschlag ein.
  • Wenn Sie eine geringere maximale Sondertilgung pro Jahr wählen, kann sich dieser Zinsaufschlag reduzieren.

Tipp: Lassen Sie sich Kreditangebote mit verschieden hohen Sondertilgungsrechten berechnen – zum Beispiel mit 3 % und 5 % pro Jahr. Der Zinssatz kann sich dadurch ändern.

Beispiel: So wirken Sondertilgungen

Der Kreditnehmer des oben genannten Rechenbeispiels leistet nach 3, 6 und 9 Jahren jeweils 5.000 Euro als Sondertilgung, insgesamt also 15.000 Euro. Dadurch sinken die Gesamtzinsen um 26.530,66 Euro, der Kredit ist 5 Jahre früher vollständig zurückgezahlt. Das macht deutlich, wie sinnvoll es ist, Sondertilgunsgrechte zu vereinbaren und zu nutzen.

Flexibler Tilgungssatz

Im Kreditvertrag können Sie vereinbaren, dass Sie den Satz während der Bindungsphase ändern können. So bleiben Sie finanziell flexibel und können die Rate nach Ihren Möglichkeiten anpassen.

Verhandlungssache ist, welche Kosten Ihnen dadurch entstehen und wie oft Sie den Satz ändern können. Häufig kann er nur 2 bis 3 Mal geändert werden, zum Beispiel in einer Bandbreite von 2 bis 6 %.

Vorteile eines flexiblen Tilgungssatzes:

  • ŸWenn Sie mehr Geld zur Verfügung haben, können Sie den Tilgungssatz erhöhen. Dadurch sind Sie schneller schuldenfrei.
  • ŸWenn Ihre Finanzlage angespannt ist, etwa durch Arbeitslosigkeit oder Ausbildungskosten für Kinder, können Sie den Tilgungssatz reduzieren. Ihre monatliche Belastung sinkt, aber die Kreditlaufzeit verlängert sich.
Stand: 
Mittwoch, 30. März 2016

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