Schadstoffe und Altlasten in Bestandsgebäuden

Bei einer gebrauchten Immobilie ist es wichtig, sich vor dem Kauf oder einer geplanten Baumaßnahme über vorhandene Schadstoffe und Altlasten einen Überblick zu verschaffen. Bis Ende der 1940er Jahre waren Baustoffe bzw. deren Ausgangsmaterialien in der Regel über lange Zeit erprobte Naturprodukte. Seit Ende der Nachkriegszeit wurden neue chemische Baustoffe entwickelt und häufig unbedarft eingesetzt. Meist stellte sich erst später heraus, dass die darin enthaltenen Substanzen hochgiftig waren und das Leben und die Gesundheit von Menschen gefährdeten.


Zu den gesundheitsgefährdenden Baustoffen gehören:

  • Asbest
  • alte Holzschutzmittel
  • Klebstoffe
  • alte Mineralwolle
  • Organische Lösemittel

Tipp

Lassen Sie eine Immobilie und den Baugrund vor einem Kauf oder einer Modernisierung immer von mindestens einem unabhängigen Sachverständigen fachgerecht auf Schadstoffe und Altlasten untersuchen. Die Erstellung von folgenden Gutachten kann dabei sinnvoll sein:

  • Baugrundgutachten,
  • die Bewertung der Gebäudebausubstanz,
  • Holzschutzgutachten,
  • ggfs. Prüfung auf Asbest.

Besondere Informationen

Asbest

Bis in die 1970er Jahre hinein wurde Asbest als Baustoff verwendet. Es wurde in vielen unterschiedlichen Bauteilen verarbeitet, beispielsweise auf Dächern und in der Fassadenverkleidung, als Isoliermaterial in elektrischen Installationen, als Brandschutzisolierung, als Spachtelmasse und Abwasserohr. 1982 wurde der Einsatz von Asbest in Deutschland verboten.

Holzschutzmittel

Holzschutzmittel enthalten Wirkstoffe gegen tierische und pflanzliche Schädlinge, etliche sind stark gesundheitsschädlich. Einige Wirkstoffe sind bereits seit Jahren verboten und werden nicht mehr eingesetzt. Aber die Gefährlichkeit besteht weiterhin noch dort, wo diese Mittel einst verwendet und nicht beseitigt wurden.

Den größten Anteil bei Holzschutzmittel-Wirkstoffen haben chlorierte Kohlenwasserstoffe, zum Beispiel Pentachlorphenol (PCP, Lindan). PCP gelangt über die Nahrungskette in den Körper und wird dort teils ungewandelt im Körperfett über viele Jahre gespeichert, ohne sich abzubauen. Bei Holzschutzmittelgeschädigten, die über viele Jahre in belasteten Wohnungen oder Häusern lebten, traten teilweise noch nach 20 bis 30 Jahren organische Spätschäden auf.

Carbolineum war ein äußerst beliebtes Holzschutzmittel. Es ist ein öliges, braunrotes, teerig riechendes Gemisch aus Steinkohleteer-Bestandteilen. Carbolineum wurde insbesondere aufgrund des Gehalts an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) als beim Menschen eindeutig krebserzeugender Stoff eingestuft. Gemäß Chemikalienverordnung vom 1.11.1993 ist der Einsatz von teerölhaltigen Zubereitungen stark eingeschränkt. Im Hausbau dürfen sie daher nicht eingesetzt werden.

Klebstoffe

Seit den 1950er Jahren werden Spanplatten als Ersatz für Massivholzbretter verwendet. Neben dem Grundmaterial Holz enthalten die Platten Kleber, der in vielen Fällen Formaldehyd ausgast. Das Gas riecht stechend, reizt die Schleimhäute und kann Hustenreiz, Kopfschmerzen und Unwohlsein hervorrufen. Längerfristig kann Formaldehyd allergische Reaktionen auslösen oder allergische Reaktionen gegenüber anderen Substanzen begünstigen.

Mineralwolle

Seit dem 01.06.2000 darf in Deutschland nur Mineralwolle hergestellt werden, die frei von Krebsverdacht ist. Die alte Mineralwolle stand unter Verdacht, krebserregend zu sein, da die Fasern lungengängig und nicht biolöslich sind. Eine alte Mineralfaserdämmung ist für Bewohner ungefährlich, wenn ihre Fasern nicht durch Fugen oder Ritzen in den Innenraum eindringen. Dies ist jedoch nur durch einen fachgerechten luftdichten Folien-Abschluss gewährleistet. Räume, in denen Mineralfaserdämmstoffe nicht mit Folie abgedichtet wurden und die Fasern offen liegen, sollten saniert werden.

Organische Lösemittel

Leichtflüchtige organische Verbindungen sind flüssige organische Stoffe und deren Mischungen, die dazu dienen, andere Stoffe zu lösen, zu verdünnen, zu emulgieren oder zu suspendieren, ohne sie chemisch zu verändern. Hauptsächliches Anwendungsgebiet im Baubereich sind Anstrichstoffe, Klebstoffe, Abbeizmittel und Verdünner. Häufig verwendete Lösemittel sind Testbenzin, Toluol, Xylol, Dichlormethan und Dichlorethan. Natürliche Lösemittel sind unter anderem Citrusschalenöl und Terpentinöl. Aber auch hohe Konzentrationen von natürlichen Lösungsmitteln können zu Beschwerden führen.

Umgang mit Schadstoffen oder Altlasten

Hat man Altlasten mit dem Kauf einer Immobilie übernommen, können unterschiedliche Maßnahmen greifen. Nicht immer muss eine Komplettsanierung erfolgen, meist können Sie mehrere Wege einschlagen:

  • Isolieren der Schadstoffe, damit diese nicht in die Raumluft eindringen.
  • Betroffene Räume ungenutzt zu lassen.
  • Durchführung einer fachgerechten Sanierung und Entsorgung. Dabei ist allerdings Vorsicht geboten.
  • Umgang mit Asbest: Liegt der Verdacht von asbesthaltigen Materialien wie zum Beispiel in Fußbodenbelägen vor, kann Asbeststaub entstehen. Dieser ist lungengängig und krebserzeugend. Arbeiten mit Asbest dürfen nur noch von geschultem Personal mit entsprechender Schutzausrüstung durchgeführt werden.
  • Wenn Sie auf gefährliche Altlasten wie schwarzen Parkettkleber (PAK/PCB) stoßen oder den Verdacht auf das Vorkommen gesundheitsschädlicher Stoffe wie zum Beispiel Holzschutzmittel haben, müssen Sie unbedingt Fachleute einschalten, die sich mit der gefahrlosen Beseitigung von Altlasten auskennen.
  • Die Entsorgung dieser Produkte unterliegt besonderen Bestimmungen. Verstöße dagegen sind gesetzeswidrig und werden verfolgt.
  • Bei der Sanierung ist es besonders wichtig, sorgfältig die im Innenbereich eingesetzten Stoffe auf Gesundheitsverträglichkeit zu prüfen. In der Regel sind Naturprodukte umweltverträglicher und als weniger gesundheitsgefährdend anzusehen.
  • Grundsätzlich sollte so wenig wie möglich Chemie im Innenausbau eingesetzt werden.
  • Zur Beurteilung der Stoffe gibt es mittlerweile eine Menge von Labeln, die herangezogen werden können.
  • Auch mit Naturprodukten ist sparsam und vorsichtig umzugehen, denn natürliche Lösemittel wie Citrusterpene oder Insektizide wie das Pyrethrum, das in Chrysanthemen vorhanden ist, sind ebenso schädlich.
  • Bauteile, in denen man eine Schadstoffbelastung feststellt, sollten immer nach einzelnen Bauteilen untergliedert betrachtet werden: einzelnen Konstruktionen, Bau- und Dämmstoffe sowie den Ausbaumaterialien wie Wandbeschichtungen, Böden und deren Beläge sowie Oberflächenbehandlungen.
Stand: 
Freitag, 3. Juni 2016

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