Leistungsphasen HOAI

Die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) enthält Regelungen zur Berechnung der Vergütung von Architekten und Ingenieure. Alle Leistungen, die Architekten im Verlaufe von Bauvorhaben erbringen, sind in der HOAI beschrieben. Meist wird in Architektenverträgen darauf Bezug genommen. Oft findet sich deshalb in den Architektenverträgen für den Auftrag zur Errichtung eines Einfamilienhauses der Verweis auf § 34 HOAI.

Die für die Tätigkeit des Architekten aufgestellten Leistungsbilder untergliedern sich in einzelne Abschnitte, die sich am Bauablauf orientieren. Sie sind nach Prozenten wie folgt aufgeschlüsselt:

Leistungsphase 1 - Grundlagenermittlung (2 %)

  • Klären der Aufgabenstellung hinsichtlich Nutzungsanforderungen, Bauqualitäten, Kostenbudget, Termine
  • Hinweise zur Auswahl anderer an der Planung Experten
  • Beratung zum gesamten Leistungsbedarf
  • Zusammenfassung bisheriger Ergebnisse

Besondere Leistungen:

  • Standortanalyse
  • Betriebsplanung
  • Bestandsaufnahme
  • Prüfung von Umwelterheblichkeit und Umweltverträglichkeit
  • Aufstellung von Raum- und Funktionsprogrammen

Leistungsphase 2 - Vorplanung (7 %)

  • Analyse der Grundlagen
  • Abstimmung von Zielvorstellungen, inklusive Randbedingungen und Zielkonflikte
  • Aufstellung von Programmzielen in Form eines planungsbezogenen Zielkatalogs
  • Erarbeitung und Darstellung eines Planungskonzepts inklusive zeichnerischer Darstellungen, Skizzen und Anmerkungen
  • Untersuchung möglicher Alternativlösungen, die die Zielvorstellungen ebenso erfüllen
  • Integration der Leistung anderer Experten in die Vorplanung
  • Klären und Erläutern erheblicher städtebaulicher, gestalterischer, funktionaler, technischer, bauphysikalischer, wirtschaftlicher, energiewirtschaftlicher (z.B. hinsichtlich rationeller Energieverwendung und der  Verwendung erneuerbarer Energien) und landschaftsökologischer Zusammenhänge, Vorgänge und Bedingungen sowie der Belastung und Empfindlichkeit der betroffenen Ökosysteme
  • Vorverhandlungen mit Behörden
  • Kostenschätzung nach DIN 276 oder geltendem Berechnungsrecht
  • Zusammenstellung und Präsentation der Vorplanungsergebnisse

Besondere Leistungen:

  • Aufstellung eines Finanzierungsplans und Mitwirkung bei der Kreditbeschaffung
  • Durchführung der Bauvoranfrage
  • Aufstellung eines Zeit- und Organisationsplans

Leistungsphase 3 - Entwurfsplanung (15 %)

  • Stufenweise, zeichnerische Durcharbeitung des Planungskonzepts unter Einbezug technischer, funktionaler, gestalterischer, wirtschaftlicher, bauphysikalischer Anforderungen
  • Integration der Leistung anderer Experten zum vollständigen Entwurf
  • Objektbeschreibung sowie Erläuterung von Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen mit Einbezug der naturschutzrechtlichen Regelungen
  • Zeichnerische Darstellung des Gesamtentwurfs inklusive Entwurfszeichnungen im Maßstab, je nach Anlage 1:500 bis 1:1
  • Einbezug besonderer Angaben zu Schutz- Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen
  • Verhandlungen mit anderen Experten und den entsprechenden Behörden bezüglich der Genehmigungsfähigkeit
  • Vergleich vorheriger Kostenabschätzung und tatsächlicher Kostenberechnung sowie ggf. Anpassungen an letztere

Besondere Leistungen:

  • Bewerten von Alternativen / Varianten mit Kostenuntersuchung (Optimierung)
  • Über das übliche Maß hinausgehende Optimierungsmaßnahmen, um z.B. den Energieverbrauch der Anlage weiterhin zu senken
  • Wirtschaftlichkeitsberechnung

Leistungsphase 4 - Genehmigungsplanung (3 %)

  • Erarbeiten und Einreichen der Vorlagen für die erforderlichen Genehmigungen oder Zustimmungen inklusive Anträge auf Ausnahmen und Befreiungen
  • Vervollständigen und Anpassen der Planungsunterlagen, Beschreibungen und Berechnungen unter Verwendung der Beiträge anderer an der Planung fachlich Beteiligter
  • Prüfung auf notwendige Genehmigungen sowie die Einholung dieser

Besondere Leistungen:

  • Mitwirken bei Beschaffen der nachbarlichen Zustimmung
  • Unterstützung des Bauherren bei Widerspruchsverfahren, Klagen und Ähnlichem
  • Änderung von Genehmigungsunterlagen, soweit dies der Architekt nicht selber zu verantworten hat
  • Erarbeitung von Unterlagen für besondere Genehmigungen oder Prüfverfahren.

Leistungsphase 5 - Ausführungsplanung (25 %)

  • Konkrete Ausführung von Abschnitt 3 und 4
  • Stufenweise Darstellung der erarbeiteten Lösungen unter Berücksichtigung von bauphysikalischer, funktionaler, gestalterischer, technischer und städtebaulicher Maßnahmen
  • Zeichnerische Darstellung des finalen Objekts inklusive aller unabdingbaren Angaben wie z.B. Konstruktions- Ausführungs und Detailzeichnungen sowie weiterer textlicher Hinweise auf Durchführung
  • Bestimmung des erforderlichen Materials
  • Erarbeitung der Grundlage für die Integration der Arbeit anderer Experten bis hin zur Ausführung
  • Kontinuierliche Ausführungsplanung während des Bauvorgangs

Besondere Leistungen:

  • Aufstellen einer detaillierten Objektbeschreibung zur Grundlage der Leistungsbeschreibung mit Leistungsprogramm als Raum- oder Baubuch
  • Erarbeitung von Detailmodellen
  • Prüfung bauausführender Unternehmen auf Grund der Leistungsbeschreibung mit Leistungsprogramm ausgearbeiteten Ausführungspläne auf Übereinstimmung mit der Entwurfsplanung

Leistungsphase 6 - Vorbereitung der Vergabe (10 %)

  • Zusammenstellen von Mengen als Grundlage für die Aufstellung von Leistungsbeschreibungen unter Einbezug der Beiträge anderer am Bau beteiligten Experten
  • Aufstellung der Leistungsbeschreibungen mit Leistungsverzeichnissen nach Leistungsbereichen
  • Koordination der Beiträge anderer am Bau beteiligter Experten

Besondere Leistungen:

  • Aufstellen alternativer Leistungsbeschreibungen für bestimmte, zumeist geschlossene Leistungsbereiche
  • Aufstellung vergleichender Kostenübersichten nach Auswertung der Beiträge anderer am Bau beteiligter Experten

Leistungsphase 7 - Mitwirkung bei der Vergabe (4 %)

  • Zusammenstellung der Vergabeunterlagen aller Leistungsbereiche
  • Einholen von Angeboten
  • Prüfung jener Angebote, inklusive anschließender Bewertung sowie Aufstellung einer Preisübersicht
  • Verhandlung mit Bietern
  • Kostenanschlag nach DIN 276 unter Einbezug der vorher eingeholten Angebote
  • Kostenkontrolle
  • Hilfestellung bei Auftragserteilung

Besondere Leistungen:

  • Aufstellung, Prüfung und Wertung der Preisspiegel inkl. besonderer Anforderungen

Leistungsphase 8 - Objektüberwachung (Bauüberwachung: 32 %)

  • Überwachung der Ausführung des Baus unter Rücksichtnahme der vorliegenden Baugenehmigungen oder -zustimmungen
  • Ausführungspläne sowie Leistungsbeschreibungen Dritter
  • Koordination der an der Überwachung des Objekts beteiligten Experten
  • Detailkorrektur von Fertigteilen
  • Aufstellung und Überwachung eines Zeitplans in Form eines Balkendiagramms
  • Führung eines Bautagebuchs
  • Aufmaß mit den beteiligten Bauunternehmen
  • Abnahme der Bauleistung unter Mitwirkung anderer am Bau beteiliter Experten sowie eventuelle Feststellung von Mängeln
  • Überprüfung gestellter Rechnungen mit abschließender Kostenfeststellung nach DIN 276
  • Antrag auf behördliche Abnahme sowie Hilfestellung während der Abnahme
  • Übergabe des Objekts inklusive aller notwendigen Unterlagen wie Prüfprotokolle
  • Auflistung aller Gewährungsfristen
  • Überwachen der Beseitigung etwaiger Mängel, die bei der Abnahme ans Licht getreten sind
  • Kostenkontrolle

Besondere Leistungen:

  • Aufstellen, Überwachen und Fortschreiben eines Zahlungsplanes, sowie Zeit-, Kosten- und Kapazitätsplänen
  • Tätigkeit als Bauleiter, soweit diese Leistung nicht im Landesrecht für die Abschnitt 8 verankert ist

Leistungsphase 9 - Objektbetreuung und Dokumentation (2 %)

  • Begehung des Objekts zur Feststellung etwaiger Mängel, bevor Geltungsansprüche und Verjährungsfristen ablaufen
  • Überwachen der Beseitigung besagter Mängel im Rahmen der Verjährungsfristen und Geltungsansprüche, gegebenenfalls bis zu 5 Jahre nach Bauabnahme
  • Hilfestellung bei der Freigabe von Sicherheitsleistungen
  • Finale systematische Zusammenstellung der rechnerischen Ergebnisse sowie aller zeichnerischer Darstellungen

Besondere Leistungen:

  • Erstellen von Wartungs- und Pflegeanweisungen
  • Objektbeobachtung und Baubegehungen nach der Übergabe
  • Objektverwaltung
  • Erstellen von Bestandsplänen
  • Aufbereitung des Zahlungsmaterials für eine Objektdatei

Die neun Punkte nach der Honorarordnung werden in der Regel von einem Architektenbüro übernommen. So haben Bauherren während des gesamten Bauzeitraums mit den gleichen fachlichen Betreuern zu tun. Manche Büros arbeiten allerdings spezialisierter. So gibt es Architekten, die Projekte nur so lange betreuen, bis diese genehmigt wurden. Dies umfasst die Phasen 1 bis 4. Andere Büros konzentrieren sich auf die Betreuung von Projekten ab der Ausführungsplanung, also von der Leistungsphase 5 bis zur 9. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Die Spezialisten, die sich auf einen bestimmten Bereich der Leistungen konzentrieren, haben in diesen Segmenten großes Wissen gepaart mit viel praktischer Erfahrung. Der Nachteil: das ausführende Architektenbüro arbeitet mit einem fremden Entwurf und ist mit diesem nicht so vertraut, wie es mit einem In-House Entwurf wäre. Auch die Kommunikation zwischen den Firmen kann schleppend verlaufen. Der Grund: das Büro, das die Leistungen aus 1-4 betreut, erhält nach Abschluss dieser Leistungen bereits das Honorar. Die weitere Zusammenarbeit mit den ausführenden Architekten hat deshalb für das Unternehmen meist nur untergeordnete Priorität.

Leistungsphasen nach HOAI - Rechtliche Grundlagen

In der Honorarordnung, der HOAI, sind verschiedene Parameter festgesetzt. Dort wird unter anderem festgelegt, wie viel Lohn Architekte für die einzelnen Leistungen verlangen können, sowie welche Leistungen welchen Abschnitten zuzuordnen sind. Die HOAI ist eine Verordnung des Bundes und damit in ganz Deutschland geltend. Die dort festgelegten Preise gelten für Planungsleistungen im Bauwesen als verbindlich - unabhängig der Ausbildung oder Berufsbezeichnung. Denn trotz des Namens, der suggeriert, dass diese Verordnung nur für Architekten und Ingenieure bindend ist, beziehen sich die Leistungsphasen der HAOI auf die veranschlagten Leistungen. Wer also beispielsweise die Ausführungsplanung für ein Bauobjekt übernimmt und dafür Gehalt kassiert, muss sich an die in der HOAI festgelegten Preise halten, auch wenn er kein Architekt oder Ingenieur ist. Sinn der Leistungsabschnitte und der HOAI ist sowohl Architekten/Ingenieure, als Bauherren abzusichern. Den Experten wird so ein faires Honorar garantiert, während Bauherren sicher sein können, dass Bauplanung und -ausführung qualtitativ hochwertig durchgeführt werden. Die erste Honorarordnung trat am 01.01.1977 in Kraft.

Wie werden die Kosten der HOAI Leistungsphasen ermittelt?

Zur Berechnung der Kosten gibt es verschiedene Methoden, die je nach Stufe angewandt werden. Im zweiten Schritt nehmen Architekten und Ingenieure eine Kostenschätzung vor. So werden jegliche Leistungen abgerechnet, bis es zur tatsächlichen Kostenberechnung kommt. Dies ist während der Entwurfsplanung der Fall. Dort wird die endgültige Abrechnung der Stufen 1-4 festgelegt. Die Leistungen nach 5-7 werden nach Kostenanschlag berechnet, zu dem es in Stufe 7 kommt. Das Honorar für die HOAI Leistungsphasen 8 und 9 wird nach der Kostenfeststellung festgelegt. Durch die Aufteilung wird garantiert, dass unerwartete Änderungen im Projektverlauf sich nicht auf die ursprünglich geplanten Kosten  auswirken. So können Bauherren vorausschauend ihre Finanzen planen.

Architekten- und Ingenieurshonorar

In der Honorarordnung sind Honorartafeln festgelegt, die bei der Berechnung des Expertenhonorars anzuwenden sind. Dabei spielen die veranschlagten Baukosten sowie die Honorarzonen eine Rolle. Die Honorarzonen sind von I bis V eingeteilt - von einem geringem bis zu einem außerordentlich hohen Planungsaufwand. Zusätzlich hat jede Honorarzone einen Mindest- und einen Höchstsatz. In diesem Rahmen können Architekten und Bauherren verhandeln. Entscheidend sind dabei verschiedene Faktoren, z.B. wie schwierig oder aufwendig die zu erbringenden Leistungen sind. Wenn Architekte oder Ingenieure alle Leistungsphasen nach HOAI ableisten, kann das Honorar also mit Hilfe von Baukosten und Honorarzonen von den Honorartafeln abgelesen werden. Sollten jedoch nur einzelne Leistungen erbracht werden, multipliziert man das Grundhonorar mit dem prozentualen Anteil der geleisteten Abschnitte an der Gesamtleistung und erhält so die Vergütung der Experten. Ein Architektenbüro, welches sich auf die Betreuung von Projekten bis zur Abnahme spezialisiert, stünden also beispielsweise 27% des Grundhonorars zu.

Die HOAI Leistungsphasen in der Praxis

Während die Leistungsphasen nach der HOAI zur Ermittlung des Honorars für Architekten und Ingenieure unabdingbar sind, finden sie im alltäglichen Sprachgebrauch wenig Verwendung. Stattdessen werden oft folgende Begrifflichkeiten verwendet:

  • 1 bis 3 werden als Entwurf zusammengefasst
  • Stufe 5 wird, besonders im Bereich des Hochbaus, auch Werkplanung genannt
  • 6 und 7 werden häufig als Ausschreibung/Vergabe/Abrechnung, oder kurz A/V/A, bezeichnet.
  • Stufe 8 wird Bauleitung genannt.

Tipp

Weitere Informationen zur Arbeit mit Architekten finden Sie in der Rubrik Bauberatung.

Stand: 
Mittwoch, 23. März 2016

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