LBS-Research: Deutscher Wohnungsbau wird Europa-Schlusslicht
News vom 17. Mai 2003
Quelle: Daniel Burchard für baufoerderer.de
Das derzeit häufig strapazierte Etikett "Schlusslicht Europas" muss sich Deutschland jetzt auch beim Wohnungsbau anheften lassen - zumindest nach den Zahlen, die LBS-Research, der Forschungsdienst der Bausparkassen, vorgestern in Berlin veröffentlicht hat. Danach liegt Deutschland, 1996 noch "Vize-Europameister", im europäischen Vergleich mit 3,1 neuen Wohnungen je 1.000 Einwohner im Jahr 2002 inzwischen weit abgeschlagen. Die 253.696 fertiggestellte Wohneinheiten in neuen Wohngebäuden bedeuten ein Minus von 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ganz anders die aktuellen europäischen Spitzenreiter Irland, Spanien und Portugal: Mit 14,3, 10 bzw. 9,6 Wohnungen je 1.000 Einwohner ist die Wohnungsbauintensität dort drei- bis viermal so hoch wie hierzulande.
Bei der rückläufigen Zahl der fertig gestellten Wohnungen steht Deutschland allerdings nicht allein, denn, so LBS-Research weiter, nach Einschätzung von Immobilienmarkt-Experten befinde sich der Wohnungsbau in Europa insgesamt in einer klaren Abwärtsbewegung, allerdings meist auf einem wesentlich höheren Niveau. Selbst Länder wie Spanien und Portugal, die seit einigen Jahren nach Irland Platz zwei und drei in der Spitzengruppe eingenommen hätten, verzeichneten aktuell Minusraten im zweistelligen Prozentbereich.
Doch nicht in allen europäischen Ländern sei die Situation vergleichbar, wie das Ausnahmebeispiel Irland zeige, das seit Jahren seinen Platz an der Spitze der Baurangliste behaupte: Dort gibt es mit 14,3 fertiggestellten Wohnungen je 1.000 Einwohner die höchste Pro-Kopfzahl, und auch der Neubau weist eine neuerliche Zuwachsrate von 4,4 Prozent gegenüber 2001 auf. LBS-Research erklärt das damit, dass sich die wirtschaftlichen Boomjahre noch immer auf den Wohnungsmarkt auswirkten, und mit der Bautätigkeit auch der höchsten Geburtenrate in Westeuropa Rechnung getragen werde. Außerdem widerlege das Land diejenigen, die sich mit dem Argument steigender beruflicher Mobilität gegen Erwerb von Wohneigentum aussprächen, da häufige Arbeitsplatzwechsel dort gang und gäbe seien.
Den Hauptgrund für den Rückgang des Wohnungsbaus in Deutschland sehen die LBS-Forscher vor allem in der allgemeinen Schwäche von Wachstum und Beschäftigung, da andere Faktoren wie ein hohes Versorgungsniveau, eine älter werdende Bevölkerung oder niedrige Geburtenraten auch anderswo vorhanden seien, ohne dass sie solche Auswirkungen hätten. Sie warnen außerdem vor den Auswirkungen eines anhaltenden Negativ-Trends im deutschen Wohnungsbau. Denn nach den meisten Schätzungen liege der tatsächliche Neubaubedarf in diesem Jahrzehnt immer noch in einer Größenordnung von jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen, und die Zahl der Haushalte steige durch die Zuwanderung nach Deutschland sowie zunehmend mehr Single-Haushalte mindestens bis 2015 weiter an. Dem gegenüber verschwänden aber durch Rückbau, Zusammenlegung oder Umwidmung jedes Jahr rund 100.000 Wohnungen vom Markt.
[zurück]