Zur vzbv-Homepage Zur KfW-Förderbank
Zur Startseite
Sie sind hier: > baufoerderer.de > News > News-Archiv > Baufinanzierung und -förderung > Meldung vom 4.6.04

Zum Ansparen für das Eigenheim nicht geeignet: Kapitallebensversicherungen erhöhen die Risiken einer Baufinanzierung

News vom 4. Juni 2004

Quelle: Arno Gottschalk, Verbraucherzentrale Bremen

Wer sich mit der Überlegung trägt, eine Lebensversicherung abzuschließen, hat nicht immer nur die steuerfreie Auszahlung im Alter vor Augen. Vielen Sparern wird die Kapitalpolice auch als Baustein für eine spätere Eigenheimfinanzierung empfohlen. Tatsächlich ist die Lebensversicherung jedoch ein Instrument, das für das Ansparen und Finanzieren einer selbstgenutzten Immobilie in der Regel nicht empfehlenswert ist.

Für den Bau oder Kauf der eigenen vier Wände ist vor allem eines nötig: möglichst viel Eigenkapital. Je mehr Eigenkapital zur Verfügung steht, um so mehr kann man sich leisten bzw. um so geringer ist die erforderliche Kreditaufnahme und damit die finanzielle Belastung, die mindestens zu tragen ist. Vom vorhandenen Eigenkapital hängt es obendrein auch ab, welche Kreditinstitute für die Finanzierung überhaupt in Frage kommen und welche Spielräume für das Aushandeln möglichst günstiger Konditionen bestehen.

Entscheidend ist, daß das eigene Geld zum Bau- oder Kauftermin auch zur Verfügung steht. Hier aber zeigt sich - im Vergleich zu anderen Sparformen - der erste große Nachteil der zumeist langfristig abgeschlossenen Kapitallebensversicherung. Ein Beispiel: Wer seinen Versicherungsbedarf über eine reine Risikolebensversicherung deckt und daneben monatlich 280 Euro anspart, verfügt nach 10 Jahren mit einem halbwegs guten Sparvertrag über ein Eigenkaptal von rund 40.000 Euro. Bei einer Eigenheimfinanzierung von 200.000 besteht somit noch ein Kreditbedarf von 160.000 Euro

Wer demgegenüber Monat für Monat 300 Euro in eine kapitalbildende Lebensversicherung einzahlt, hat nach 10 Jahren noch keinen Cent zur Verfügung. Denn sein Geld steckt in der Versicherung, die erst in 20 Jahren ausgezahlt wird - und das bedeutet: Statt lediglich 160.000 Euro müßte der gesamte Finanzierungsbedarf von 200.000 Euro über Kredit finanziert werden. Ist die damit verbundene Belastung nicht verkraftbar, bleibt noch die Möglichkeit, die Versicherung vorzeitig zu kündigen. Das aber ist regelmäßig mit finanziellen Nachteilen verbunden; bei leistungsschwachen Gesellschaften und ungünstigen Vertragsgestaltungen erhält man möglicherweise nicht einmal die eingezahlten Beträge in vollem Umfang zurück. Im Vergleich zum Sparvertrag würde das einen Verlust von mehreren Tausend Euro bedeuten.
Selbst wenn die Finanzierung mit der Lebensversicherung tragbar wäre, würde sie mit höheren Risiken behaftet sein. Wegen der höheren Kreditsumme und weil die Rückzahlung erst am Ende mit der Auszahlung der Lebensversicherung erfolgt, ist die Finanzierung erstens von möglichen zwischenzeitlichen Zinsanstiegen viel stärker betroffen als die Alternative eines Darlehens mit laufender Tilgung.

Zweitens bestände insbesondere die Gefahr, dass die Auszahlung der Lebensversicherung nicht ausreicht, um den Kredit vollständig abzulösen. Im obigen Beispiel stellt zwar ein Drittel der Anbieter derzeit für einen dreißigjährigen Versicherten eine Ablaufleistung von 200.000 Euro und mehr in Ausicht. Dies sind aber nur unverbindliche Beispielrechnungen. Wirklich garantiert werden dabei nur Ablaufleistungen zwischen 125.000 und 146.000 Euro. Unter Umständen bleibt der Kreditnehmer deshalb am Ende auf bis zu einem Drittel seiner Schulden sitzen. Dass diese keine unbegründeten Befürchtungen sind, zeigen die riesigen Lücken, die sich derzeit bei vielen bestehen Finanzierungen abzeichen, nachdem die Überschussbeteiligungen bei den Versicherungen gesenkt werden mussten.

Wer den Bau oder Kauf der eigenen vier Wände plant, sollte sich deshalb nicht zu einer Kapitallebensversicherung überreden lassen. Ist dies schon geschehen, sollte mit unabhängiger Hilfe geklärt werden, ob der schnelle Ausstieg nicht besser ist. Wenn belegbar ist, dass der Abschluss gerade auch im Hinblick auf eine geplante Finanzierung empfohlen wurde, ist zudem ein möglicher Schadensersatz wegen Falschberatung zu prüfen.

[zurück]