Stiftung Warentest: Sprinterbonus - Sparen durch höhere Tilgung
News vom 11. Oktober 2004
Quelle: Daniel Burchard für baufoerderer.de
Bereits im Juli hatte die Stiftung Warentest drauf hingewiesen, dass sich die Kreditkosten durch höhere Tilgungsraten senken lassen (siehe die News vom 8. Juli 2004). Jetzt hat sie sich das Thema noch einmal ausführlich vorgenommen und die Angebote von 43 Banken und Kreditvermittlern daraufhin untersucht, ob und wie weit diese ihre Tilgungsvorteile an die Kunden weitergeben.
Für den Häuslebauer hat die höhere Tilgung grundsätzlich Vorteile, so die Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift FINANZtest: Die kürzere Kreditlaufzeit senkt die Zinskosten, und spätere Zinserhöhungen lassen sich leichter verkraften, weil schon ein größerer Teil abgezahlt und so die Restschuld geringer ist. Außerdem bekommen sie oft bessere Zinsen als bei den Standardkrediten mit nur einem Prozent Tilgung - allerdings nicht überall, so das Ergebnis der Untersuchung. Denn der Zinsnachlass ist selbstverständlich kein Geschenk der Bank, sondern beruht darauf, dass für diese die Refinanzierungskosten bei höherer Tilgung und damit schnellerer Rückzahlung des Darlehens niedriger sind.
Doch längst nicht alle Anbieter geben diesen Preisnachlass auch an die Kunden weiter, so die FINANZtest. Ob und wie stark der Kreditnehmer vom Zinsvorteil der Bank profitiert, hänge vom Institut ab. Die Unterschiede sind enorm: Einige geben den Vorteil konsequent weiter, andere gewähren Zinsnachlässe nur bei sehr hohen Tilgungsraten oder Kompletttilgung, und manche bieten nur Einheitskonditionen, so dass der Kunde auch bei schnellerer Tilgung nicht profitiert. Wo sie angeboten werden, betragen die möglichen Zinsrabatte bis zu einem halben Prozentpunkt. Nach den Berechnungen der Finanztester lassen sich so beispielsweise bei einem Darlehen von 100.000 Euro innerhalb einer Zinsbindung von 15 Jahren bis zu 7.000 Euro einsparen.
Allerdings wird dieser Rabatt während der Rückzahlung mit einer deutlich höheren Belastung erkauft, die sich nicht jeder leisten kann: Um beispielsweise einen Kredit von 100.000 Euro in 15 Jahren zurückzuzahlen, ist laut FINANZtest derzeit eine Monatsrate von ungefähr 800 Euro nötig, 300 Euro mehr als für ein Darlehen mit nur einem Prozent Tilgung. Die Turbotilgung in zehn Jahren koste samt Zinsen sogar mehr als 1.000 Euro im Monat. Diejenigen, die schon vor einigen Jahren gebaut oder eine Wohnung gekauft haben, können die höhere Tilgung bei einem Anschlusskredit dagegen schon eher bewältigen. Denn ihr Zins lag oft höher als bisher, so dass bei gleicher Ratenhöhe ein höherer Tilgungsanteil drin ist - und ein Zinsnachlass obendrein.
Doch wie so oft gilt auch hier: Von nichts kommt nichts. Wer die günstigen Konditionen ausnutzen will, muss oft selbst aktiv werden. Die FINANZtest rät daher, mehrere Angebote einzuholen und dabei ausdrücklich nach Sonderkonditionen für Schnelltilger zu fragen. Ab einer Tilgung von 3 Prozent, bei 15-jähriger Zinsbindung (und länger) auch schon ab 2 Prozent, sollte ein Zinsvorteil drin sein. Auf der anderen Seite muss auch bedacht werden, dass sich die finanziellle Situation einmal ändern kann. Neben einer sorgfältigen Prüfung, ob die höhere Belastung tatsächlich auf Dauer tragbar ist, gehören hierzu auch Vereinbarungen, dass die Raten im Falle eines Falles herabgesetzt werden können. Dann können allerdings zusätzliche (Schadensersatz-)Forderungen der Bank entstehen, wenn sich deren Refinanzierungskosten erhöhen. Bei unsicheren Einkünften sei daher in manchen Fällen ein Standarddarlehen mit Sondertilgungsmöglichkeiten besser geeignet (siehe dazu auch die News vom 13. Mai 2004 ).
Mehr zu diesem Thema finden Sie im Oktober-Heft der Zeitschrift "FINANZtest" sowie (teils kostenpflichtig) hier im Internet-Angebot der Stiftung Warentest.
[zurück]