Flexibel und zum Bauen immer besser: Stiftung Warentest untersucht Bauspartarife
News vom 10. November 2006
Quelle: Daniel Burchard für baufoerderer.de
Ein knappes Jahr nach dem letzten großen Vergleich (FINANZtest 12/06, siehe dazu die News vom 7. Dezember 2005) hat die Stiftung Warentest für die aktuelle Ausgabe ihrer Zeitschrift "FINANZtest" die Bauspartarife erneut unter die Lupe genommen. Und stellt fest, dass die Branche noch immer in Bewegung sei und "am laufenden Band" neue Tarife entwickele. So hätten sich 11 der 17 getesteten Bausparkassen mit Tarifen aus dem Jahr 2006 beteiligt. Für diejenigen, die gezielt auf die eigenen vier Wände sparen, sind die neuen Tarife laut Stiftung Warentest meist besser als die alten. Dadurch gab es auch bei den Testergebnissen Veränderungen gegenüber dem letzten Jahr.
Der Zinssatz für das Bauspardarlehen liegt nach den Untersuchung der Finanztester meist zwischen 2,9 und 4,25 Prozent - gut einen Prozentpunkt unter den aktuellen Hypothekenzinden der Banken. Außerdem verzichten die meisten neuen Tarife auf die früher übliche Darlehensgebühr von zwei bis drei Prozent der Bausparsumme. Im Gegenzug wird das Guthaben allerdings meist auch nur mit mageren 0,5 bis 1,5 Prozent verzinst. Einige Bausparkassen bieten zudem Tarife mit Wahl- oder Mehrzuteilung. Bei der Wahlzuteilung können Bausparer dann bereits nach einer kurzen Sparzeit von beispielsweise zwei Jahren die Zuteilung ihres Vertrags verlangen und müssen nicht mehr warten, bis sie ein Guthaben von 40 oder 50 Prozent der Bausparsumme oder eine bestimmte Bewertungszahl erreicht haben. Bei der Mehrzuteilung kann sich der Bausparer einen höheren Betrag als die Bausparsumme auszahlen lassen, muss diesen allerdings auch schneller und mit höhren Raten zurückzahlen. Im übrigen sind Tilgungsrate, Darlehenszinssatz und -höhe oft nicht mehr so starr festgelegt wie früher - was die Tarife insgesamt allerdings weniger durchsichtig macht.
Ob sich das Bausparen für den Einzelnen tatsächlich lohnt und vor allem dem Vergleich mit einer Baufinanzierung mit "reinen" Bankdarlehen ohne Bausparvertrag standhält, ist dagegen eine Frage des Einzelfalls und des konkreten Angebots der Bausparkasse. Um hier zu vergleichbaren Ergebnissen zu kommen, haben die Tester insgesamt 5 Modellfälle gebildet: Der "Zielsparer" ist sicher, dass er in absehbarer Zeit ein Haus kaufen oder bauen will. Sein Zeitplan sieht den Kauf oder Bau in 4, 7 oder 10 Jahren vor (Fall 1: Bau/Kauf in 4, Fall 2: Bau/Kauf in 7, Fall 3: Bau/Kauf in 10 Jahren). Fall 4 betrifft den Bausparer, der das Eigenheim ebenfalls fest im Blick hat, aber über den Zeitpunkt des Erwerbs (4 bis 10 Jahre) noch unsicher ist, und der deshalb vor allem flexibel bleiben möchte. Und im Fall 5 ist unsicher, ob die Baupläne überhaupt je verwirklicht werden, so dass auch die Nachteile einer Vertragsauflösung mit berücksichtigt wurden.
Vergleichsmaßstab für die Bauspartarife war dabei jeweils ein Finanzierungsmodell ohne Bausparvertrag: Statt an die Bausparkasse fließt die monatliche Sparrate von 250 Euro in einen Banksparplan, der je nach Laufzeit mit 2,25 bis 3,25 Prozent verzinst wird. An die Stelle des Bauspardarlehens tritt ein Baukredit mit einem Effektivzins zwischen 6 Prozent bei einem Bautermin in vier und 7 Prozent bei einem Baubeginn in zehn Jahren.
Nach den Kriterien der FINANZtest gibt es einen klaren Sieger, der bei allen Modellfällen jeweils den ersten Platz belegte. Allerdings beteiligten sich nur 17 der 26 deutschen Bausparkassen (mit insgesamt 23 Tarifen) an dem Vergleich, während die übrigen wegen der Einführung neuer Tarife, aus Kapazitäts- oder sonstigen Gründen absagten. Beim Sieger heben die Tester unter anderem die Möglichkeit der Mehrzuteilung hervor. Neben dem Spitzenreiter gibt es nach dem Vergleichstest aber auch noch andere gute Angebote. Im Vergleich zur letzten Untersuchung seien die Unterschiede zwischen den einzelnen Bausparkassen allerdings deutlich größer geworden, so die Finanztester. Die Ersparnis könne einige Tausend Euro betragen. Insgesamt kommt die Stiftung Warentest daher zu dem Schluss, dass Bausparen noch immer attraktiv sei. Häuslebauer, die heute einen Vertrag bei einer günstigen Bausparkasse abschließen, würden daher ein gutes Geschäft machen, wenn die Hypothekenzinsen in den nächsten Jahren nur um wenige Prozentpunkte steigen. Allerdings sollte ein Bausparvertrag - vor allem wegen der recht hohen Tilgungsraten - im Regelfall immer nur einen Baustein der Gesamtfinanzierung bilden, rät die FINANZtest.
Mehr zum diesem Thema finden Sie in der November-Ausgabe der Zeitschrift "FINANZtest" oder (teils kostenpflichtig) hier im Internet-Angebot der Stiftung Warentest. Zu weiteren Untersuchungen der Stiftung Warentest zur Baufinanzierung siehe außerdem die News vom 28. September 2006, vom 9. August 2006, vom 7. Juni 2006, vom 9. Mai 2006 und vom 1. März 2006.
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