Stiftung Warentest warnt vor Verlusten bei Baufinanzierung mittels Kapitallebensversicherung
News vom 8. Februar 2007
Quelle: Daniel Burchard für baufoerderer.de
Vor hohen Verlusten bei der Finanzierung selbst genutzter Immobilien mittels einer Kapitallebensversicherung warnt die Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift "FINANZtest". Zwar versprächen die Angebote hohe Zinsersparnisse, doch die Praxis sehe meist anders aus, so die Finanztester. Denn die Ersparnis gelte nur im Vergleich mit einem Bauherrn, der vor dem Kauf gar nichts spart.
Diese Versicherungsangebote funktionieren wie folgt: Der zukünftige Immobilienkäufer schließt 10 Jahre vor dem Kauf eine Lebensversicherung ab. Für die Bezahlung des Kaufpreises bekommt er ein tilgungsfreies Darlehen. Am Ende der Laufzeit des Kapitallebensversicherungsvertrags dient die Auszahlung zur Tilgung des Kredits. Die Tester haben nun einen Modellfall nachgerechnet und mit einer klassischen Bankfinanzierung mit Sparplan für die Ansparphase und Baukredit über das nach der Ansparphase noch fehlende Geld verglichen.
In dem Modellfall zahlt der Kunde in den kommenden 10 Jahren und kauft dann ein Haus für 150.000 Euro: Bei der Variante mit Versicherung schließt er im Januar 2007 eine Kapitallebensversicherung (Versicherungssumme 100.000 Euro, Laufzeit 30 Jahre, Monatsbeitrag 250 Euro) mit einer geschätzten Auszahlung nach 30 Jahren in Höhe von rund 150.000 Euro ab. Für das Haus nimmt er in 10 Jahren ein tilgungsfreies Darlehen über 150.000 Euro auf, das er 20 Jahre später mit der Auszahlung der Versicherung zurückzahlt. Bei der Bankvariante zahlt er die 250 Euro Monat für Monat in einen Banksparplan mit zehnjähriger Laufzeit und einem Zins von 3,5 %. In 10 Jahren hat er so ein Guthaben in Höhe von rund 35.900 Euro. Die fehlenden 114.100 Euro für das Haus finanziert er dann mit einem normalen Bankkredit. In beiden Varianten zahlen die Kunden ab der Kreditaufnahme 1.000 Euro pro Monat, wobei die Anfangstilgung in der Bankvariante 4,5 % betragen soll.
Wenn der Zinssatz für den Kredit in 10 Jahren 6 % beträgt - der Durchschnitt für Hypothekendarlehen in den letzten zwanzig Jahren liegt bei 7 % -, betragen die Gesamtkosten der Finanzierung nach den Berechnungen der Stiftung Warentest bei der Versicherungsvariante etwa 240.000 und bei der klassichen Bankvariante knapp 170.000 Euro, und der Bankkunde ist fast 6 Jahre früher schuldenfrei (nach gut 14 statt 20 Jahren). Bei einem Kreditzins von 5 % würde die Ersparnis nach diesen Berechnungen etwa 45.000 Euro ausmachen, bei einem stärkeren Anstieg auf 7 % dagegen bei rund 97.000 Euro liegen. Neben den Zinsverlusten habe die Versicherungsvariante außerdem den Nachteil, dass ein höheres Darlehen notwendig sei als beim Sparplan, und sich dadurch auch eine Zinserhöhung nach Ablauf der ersten Zinsbindung stärker auswirken würde. Außerdem sei bei einem vorzeitigen Verkauf des Hauses bzw. der Kündigung des Kreditvertrags der "Ausstieg" teurer, weil der Kunde bei der Versicherungsvariante eine höhere Restschuld tilgen müsse als bei einer vergleichbaren Baufinanzierung. Unterm Strich, so das Fazit der Tester, sei die Kreditkombination mit der Lebensversicherung daher viel zu teuer und dazu noch riskant.
Mehr zum diesem Thema finden Sie in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift "FINANZtest" und (teils kostenpflichtig) hier im Internet-Angebot der Stiftung Warentest. Zu weiteren Untersuchungen der Stiftung Warentest zur Baufinanzierung siehe außerdem die News vom 8. Januar 2007, vom 7. Dezember 2006, vom 10. November 2006, vom 28. September 2006, vom 9. August 2006, vom 7. Juni 2006, vom 9. Mai 2006 und vom 1. März 2006.
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