Stiftung Warentest kritisiert "Zinstricks" der Bausparkassen
News vom 11. Februar 2008
Quelle: Daniel Burchard für baufoerderer.de
Für die aktuelle Ausgabe ihrer Zeitschrift "FINANZtest" hat die Stiftung Warentest wieder einmal die Kombikredite der Bausparkassen unter die Lupe genommen, und wie schon in der Vergangenheit gab es auch diesmal reichlich Kritik. Zwar würden die Bausparkassen Top-Konditionen und niedrige Zinsen versprechen. Doch die Zinsangaben würden oft täuschen, so dass die meisten Kombikredite teurer als eine herkömmliche Bankfinanzierung seien. Nur ein Angebot sei wirklich günstig gewesen.
Die Kombikredite bestehen aus einer Kombination von zwei Verträgen: Dem so genannten "Vorausdarlehen" und einem neuen Bausparvertrag mit einer Bausparsumme in Höhe des Darlehensbetrages. Für das Vorausdarlehen werden zunächst nur Zinsen fällig. Statt der Tilgung spart der Kunde den Bausparvertrag bis zur Zuteilung an. Dann wird das Vorausdarlehen mit der Bausparsumme abgelöst, so dass danach nur noch die Raten für das Bauspardarlehen anfallen. Der Vorteil für den Kunden: Da die Zinssätze für das Vorausdarlehen und das Bauspardarlehen von vornherein feststehen, gibt es kein Zinsrisiko. Außerdem werden bei den getesteten Konstantmodellen das Vorausdarlehen und der Bausparvertrag so abgestimmt, dass die monatlich Belastung vor und nach der Zuteilung gleich hoch bleibt. So können die Bausparkassen feste Zinsen bis über 30 Jahr anbieten.
Untersucht wurde die Angebote von 13 Bausparkassen für eine Finanzierung in Höhe von 100.000 Euro, die 70 % der Bau- oder Kaufkosten decken. Die Zinssätze (Stand 3. Dezember 2007) lagen meist bei unter 5 % für das Vorausdarlehen und um 4 % für das anschließende Bauspardarlehen. Doch diese Angaben täuschen oft, so die FINANZtest. Wie schon bei vergangenen Untersuchungen (siehe die News vom 13. April 2005, vom 14. Januar 2005, vom 21. Januar 2004 und vom 9. Mai 2005) kritisieren die Tester, dass einige Kassen nicht alle anfallenden Kosten bei den genannten Effektivzinsen einrechnen. So würden teilweise weder die Abschlussgebühr für den Bausparvertrag noch die Sparbeiträge oder die bei einigen Kassen notwendige Soforteinzahlung mit einbezogen. Rechne man diese Kosten mit ein, so lägen die tatsächlichen Effektivzinsen um 0,5 bis 2 Prozentpunkte über den angegebenen. Nur ein einziges Angebot mit 20-jähriger Laufzeit und einem Effektivzins von 4,96 % sei sogar günstiger als die klassischen Darlehen vieler Internetvermittler gewesen. Im übrigen hätten sich bei der Untersuchung große Unterschiede zwischen den einzelnen Angeboten gezeigt, die je Laufzeit und Zins bis zu 28.000 Euro betragen könnten.
Kritisiert wird außerdem, dass die Darlehen oft relativ unflexibel und Sonderzahlungen auf den Bausparvertrag nur eingeschränkt möglich seien. Bei absehbaren Sondertilgungsmöglichkeiten seien daher Bankdarlehen mit flexibler Sondertilgung besser. Außerdem könnten auch relativ günstige Kombikredite teuer werden, wenn der Kunde vorzeitig aus der Finanzierung aussteigt. Bei kleineren Summen bis 50.000 Euro böten die Kombikredite dagegen auch Vorteile, weil Darlehen in dieser Größenordnung von Internetvermittlern oder Direktbanken meist gar nicht oder gegen Zinsaufschläge angeboten würden. Die Finanztester raten daher, den Gesamteffektivzinssatz des Bausparangebots mit dem Effektivzins eines Bankdarlehens mit entsprechender Laufzeit zu vergleichen. Hierfür sollte die Bausparkasse schriftlich den Gesamtzinssatz des Kombikredits (einschließlich aller Gebühren und Sparraten) nennen. Außerdem sollten Interessenten für jedes Angebot einen Finanzierungsplan erstellen lassen, der neben den Konditionen für das Vorausdarlehen einen detaillierten Spar- und Tilgungsplan für den Bausparvertrag enthält.
Mehr zu diesem Thema finden Sie im Februar-Heft der Zeitschrift "FINANZtest" oder (kostenpflichtig) hier im Internet-Angebot der Stiftung Warentest. Zu weiteren Untersuchungen der Stiftung Warentest zur Baufinanzierung siehe außerdem die News vom 12. Dezember 2007, vom 12. Juli 2007, vom 8. Juni 2007, vom 4. Juni 2007, 27. April 2007, vom 24. Februar 2007, vom 8. Februar 2007, vom 8. Januar 2007, vom 7. Dezember 2006, vom 10. November 2006, vom 28. September 2006, vom 9. August 2006 und vom 7. Juni 2006.
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