Stiftung Warentest prüft Immobilienkredite für Selbstständige
News vom 10. Juni 2008
Quelle: Daniel Burchard für baufoerderer.de
Wer Geld verleiht, möchte sichergehen, dass er es irgendwann auch zurückbekommt. Regelmäßiges Einkommen und ein sicherer Arbeitsplatz fördern daher die Kreditwürdigkeit. Selbständige dagegen können je nach Art und Umfang ihrer Tätigkeit zwar auch hohe Einkommen erzielen, wie etwa Ärzte oder Rechtsanwälte. Prinzipiell bestehen bei ihnen aber höhere Risiken durch das je nach Auftragslage schwankende Einkommen, die Gefahr einer Pleite und das insbesondere in der Startphase geringere Eigenkapital. Daher sind Selbständige bei der Suche nach einer Immobilienfinanzierung oft im Nachteil. Die Stiftung Warentest hat für die aktuelle Ausgabe ihrer Zeitschrift "FINANZtest" gezielt das Darlehensangebot für Freiberufler und Gewerbetreibende untersucht, und dafür mehr als 100 Banken, Versicherungen und Kreditvermittler befragt. Dabei hat sich gezeigt, dass das Angebot zwar vielfältig ist, aber insgesamt höhere Hürden bestehen als für Angestellte.
Fast alle Anbieter seien grundsätzlich bereit gewesen, Selbstständigen Kredite für den Hausbau oder Immobilienkauf zu gewähren, so die FINANZtest. Allerdings würden die Kreditanträge von Selbstständigen ziemlich streng geprüft. Häufig seien auch die Obergrenzen der Kreditsummen geringer und die Zinssätze höher. Unterschiede gebe es außerdem je nach Art der Selbständigkeit: Während Freiberufler vielerorts noch gern gesehen seien, hätten es Gewerbetreibende oft schwer. Die schlechtesten Karten hätten Existenzgründer, die nur selten die Chance auf einen Immobilienkredit haben. Denn die meisten Banken wollen Unterlagen über mindestens zwei, zuweilen auch drei Jahre Selbstständigkeit sehen.
Grundlage der Untersuchung waren zwei Modellfälle: Zum einen ein seit zwei Jahren selbständiger Werbedesigner, der eine Finanzierung in Höhe von 130.000 Euro für eine Eigentumswohnung (Kaufpreis 150.000 Euro, 15 Jahre Zinsbindung, 1 % Tilgung, Sondertilgung min. 5 % der Kreditsumme pro Jahr) benötigt, und zum anderen ein seit 10 Jahren selbständiger Geschäftsführer und Inhaber einer EDV-Beratungsfirma, der 240.000 Euro für den Kauf eines Hauses (300.000 Euro, 10 Jahre Zinsbindung, 1 % Tilgung, Sondertilgung min. 10 % der Kreditsumme pro Jahr) benötigt. Bei beiden Modellen lag zwischen dem besten und dem teuersten Angebot rund ein Prozentpunkt (Modell 1: 5,01 bis 6,23 %, Modell 2: 4,77 bis 5,66 %, Stand jeweils 15. April 2008).
Als gute Anlaufstellen für die Immobilienfinanzierung erwiesen sich wieder einmal die Vermittlungsgesellschaften, so die Finanztester. Sie arbeiten oft mit mehreren Dutzend Banken und Versicherungen zusammen und haben daher für die meisten Fälle den passenden Kredit im Angebot. Im Einzelfall noch günstiger waren allerdings die Angebote regionaler Banken. Sie lagen beim Modellfall des Werbedesigners um bis zu 0,23 und beim anderen um immer noch 0,07 Prozentpunkte unter dem besten bundesweit gültigen Angebot.
Um optimal auf schwankende Einkommen reagieren zu können, ist für Selbständige eine möglichst flexible Finanzierung notwendig. Die Kreditrate und damit die Anfangstilgung müssen so gering sein, dass sie auch bei ungünstiger Geschäftsentwicklung aufgebracht werden können. Umgekehrt muss es möglich sein, in guten Zeiten extra zu tilgen. Voraussetzung dafür ist das Recht auf Sondertilgungen. Nach Angaben der Stiftung Warentest dürfen Kreditnehmer ohne Aufpreis oft bis zu 5 Prozent der Kreditsumme pro Jahr zusätzlich tilgen. Zuweilen sind es sogar 10 Prozent. Manche Bank biete die auch Option auf Ratenwechsel je nach finanzieller Lage.
Mehr zu diesem Thema finden Sie im Juni-Heft der Zeitschrift "FINANZtest" oder (kostenpflichtig) hier im Internet-Angebot der Stiftung Warentest. Zu weiteren Untersuchungen der Stiftung Warentest zur Baufinanzierung siehe außerdem die News vom 8. Mai 2008, vom 5. März 2008, vom 11. Februar 2008, vom 12. Dezember 2007, vom 12. Juli 2007, vom 8. Juni 2007, vom 4. Juni 2007, 27. April 2007 und vom 24. Februar 2007.
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