Stiftung Warentest untersucht flexible Immobilienkredite: Variable Raten und Sondertilgungen ohne Zuschlag
News vom 4. August 2008
Quelle: Daniel Burchard für baufoerderer.de
Variable Raten und Sondertilgungsrechte bei der Baufinanzierung sind keine teuren Extras mehr, sondern gehören bei vielen Immobiliendarlehen inzwischen zur Grundausstattung. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift "FINANZtest", für die sie flexible Immobilienkredite untersucht hat. Die Kunden profitieren von der neuen Freiheit, weil sie die Kreditbelastung anpassen können, wenn sich ihr Einkommen während der Kreditlaufzeit ändert.
Früher mussten sich Keditnehmer auf Jahre hinaus festlegen, wenn sie im Gegenzug feste Zinsen haben wollten. Damals lag die monatliche Rate von Anfang an fest und war über die gesamte Laufzeit pünklich zu zahlen. Inzwischen aber bieten viele Banken, Versicherer und Vermittlungsgesellschaften flexible Hypothekendarlehen an. Insgesamt 58 Angebote für einen Kredit über 150.000 Euro und für besondere Fälle wie Sondertilgungsmöglichkeiten oder die vorzeitige Rückzahlung ohne Vorfälligkeitsentschädigung haben die Warentester aufgelistet. Bei einer Bank besteht sogar die Möglichkeit, einmal im Jahr mit einer Rate auszusetzen.
Für die Kunden bieten die aktuellen Angebote den Vorteil, besser auf ihre individuelle Situation reagieren zu können. So lassen sich etwa nach einer Gehaltserhöhung die Raten anpassen. Sondertilgungen mindern die Schuld "außer der Reihe", wenn dafür beipielsweise Prämien oder das Weihnachtsgeld genutzt werden können. Wer 5.000 Euro hat und sie verwenden kann, um die noch offene Schuld bei einem Kredit zu verringern, bekommt dafür Rendite in Höhe des Kreditzinses, den er für die getilgte Schuld künftig nicht mehr zahlen muss. Das bringt umterm Strich oft mehr, als wenn das Geld angelegt wird. Außerdem verringern Sondertilgungsrechte die Vorfälligkeitsentschädigung, weil die Bank so kalkulieren muss, als ob der Kunde diese Möglichkeit voll ausgeschöpft hätte (siehe dazu die News vom 18. Dezember 2006). Sondertilgungsmöglichkeiten gibt es bei vielen Baufinanzierern inzwischen kostenlos, so die Finanztester. Allerdings ergab die Untersuchung auch, dass sich die Extras von Finanzierer zu Finanzierer unterscheiden. Außerdem verlangen manche Anbieter Mindeststummen für solche Tilgungen. Daher sollten Kunden darauf achten, dass die Sondertilgungsrechte im Kreditvertrag präzise beschrieben sind.
Selbst Darlehen, die sich jederzeit ohne Entschädigung kündigen lassen, sind gar nicht mehr so selten. Für solche Darlehen sind allerdings erheblich höhere Zinsen zu zahlen. Die Anbieter verlangen hier Zinsaufschläge von 0,3 bis 0,5 Prozentpunkten. Im Gegenzug spart der Kunde bei einer vorzeitigen Kündigung die Vorfälligkeitsentschädigung, die je nach Kredithöhe und Laufzeit einige Tausend Euro betragen kann. Und wenn die Zinsen nach Abschluss des Vertrages sinken, ist eine Umschuldung problemlos möglich. Werden diese Vorteile aber nicht ausgenutzt, kommt das Darlehen durch den höheren Zins teurer.
Auf der anderen Seite sind derzeit keine Kompromisse bei der Sicherheit nötig, so die Stiftung Warentest. Darlehen mit 15- oder gar 20-jähriger Zinsbindung sind nach ihren Angaben kaum teurer als solche mit der üblichen 10-jährigen Festschreibung der Zinssätze. Vor allem bei Darlehen mit geringer Anfangstilgung und entsprechend hoher Restschuld könne eine ausreichend lange Zinsbindung eine unter Umständen dramatische Erhöhung der Kreditrate nach Auslaufen der Zinsbindung verhindern. Das bringe langfristig Sicherheit.
Mehr zu diesem Thema finden Sie im August-Heft der Zeitschrift "FINANZtest" oder (kostenpflichtig) hier im Internet-Angebot der Stiftung Warentest. Zu weiteren Untersuchungen der Stiftung Warentest zur Baufinanzierung siehe außerdem die News vom 10. Juni 2008, vom 8. Mai 2008, vom 5. März 2008, vom 11. Februar 2008, vom 12. Dezember 2007, vom 12. Juli 2007, vom 8. Juni 2007, vom 4. Juni 2007 und vom 27. April 2007.
[zurück]