Stiftung Warentest: Bausparkassen bei Wohn-Riester besser als Banken
News vom 10. Juni 2009
Quelle: Daniel Burchard für baufoerderer.de
Bauherren und Käufer finden die besten Wohn-Riester-Kredite derzeit bei den Bausparkassen. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt die Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift "FINANZtest". Überraschend deshalb, weil die Bausparkassen bei den Finanztestern in der Vergangenheit überwiegend Kritik geerntet haben (siehe dazu die News vom 11. Februar 2008 und vom 8. Januar 2007). Doch beim aktuellen Test liegen die Bausparkassen mit Effektivzinsen ab 4,26 Prozent für ein Darlehen über 160.000 Euro deutlich vorn.
Bereits im Januar hatte die Stiftung Warentest errechnet, dass sich bei der Baufinanzierung durch die staatliche Förderung mit dem so genannten "Wohn-Riester" und die damit verbundenen Steuervorteile im Idealfall einige 10.000 Euro sparen lassen (siehe die News vom 10. Februar 2009). Jetzt hat sie die Angebote für Riester-Kredite erneut unter die Lupe genommen. Dabei zeigt sich zunächst, dass der Markt noch immer recht überschaubar ist. Denn von den angefragten 153 Banken, Vermittlern und Bausparkassen bieten nur 36 (darunter 8 von 26 Bausparkassen) ein Wohn-Riester-Darlehen an. Gesucht wurden Kredite für ein Ehepaar mit zwei vor 2008 geborenen Kindern und einem gemeinsamen Bruttoeinkommen von 60.000 Euro, das sich ein Einfamilienhaus für 200.000 Euro kauft und 160.000 Euro Kredit benötigt. Finanziert das Ehepaar die Summe mit Riester-Krediten, erhält es jährlich 308 Euro Grundzulagen und 370 Euro Kinderzulagen. Innerhalb der Kreditlaufzeit von gut 20 Jahren summieren sich die Riester-Zulagen auf insgesamt rund 13.000 Euro. Dazu kommen nach den Berechnungen der FINANZtest noch zirka 15.000 Euro an Steuerersparnis sowie ersparte Zinsen, weil das Ehepaar die Kredite durch die Förderung schneller abzahlen könne.
Neben den herkömmlichen Annuitätendarlehen der Banken mit einer Laufzeit von 10, 15 oder 20 Jahren untersuchten die Tester auch die Kombikredite der Bausparkassen. Bei ihnen schließt der Kunde zunächst einen Bausparvertrag mit einer Bausparsumme in Höhe seines Kreditbedarfs ab. Die Bausparsumme wird dann von der Bausparkasse mit einem tilgungsfreien Darlehen vorgestreckt, bis ein Mindestguthaben von beispielsweise 40 Prozent angespart wurde und der Sparer nach Zuteilung des Vertrages sein Guthaben und das Bausparlehen bekommt. Damit löst er dann das Vorausdarlehen ab. Bis zur Zuteilung zahlt der Kunde die Sparraten für den Bausparvertrag und die Zinsen für das Vorausdarlehen, nach der Zuteilung die Raten für das Bauspardarlehen. Der Zinssatz ist in der Regel für beide Phasen festgelegt.
Das beste Bausparangebot war mit einem Effektivzins von nur 4,26 Prozent (Stand 1. April 2009) bei einer Laufzeit von etwa 20 Jahren günstiger als die biligsten herkömmlichen Darlehen mit direkter Tilgung und einem Effektivzins zwischen 4,75 und 5,53 Prozent. Einschränkend weisen die Tester allerdings darauf hin, dass von diesen Bausparangeboten nur Bauherren mit genügend Eigenkapital profitieren, die über mindestens 20 Prozent des Kaufpreises und der Nebenkosten verfügen. Gegenüber herkömmlichen Bankdarlehen seien die Kombikredite zudem oft weniger flexibel und böten weniger Sondertilgungsmöglichkeiten. Auch ergaben sich große Unterschiede bei den Konditionen der einzelnen Anbieter. Die Stiftung Warentest rät daher, umfassend zu vergleichen und Kreditangebote aller Art einzuholen (Bankdarlehen und Kombikredite, jeweils mit und ohne Förderung). Dabei sollte besonders darauf geachtet werden, dass der Effektivzins für die Riester-Variante nicht oder nicht viel höher ist als für ein ungefördertes Darlehen. Bei den Bausparkassen sei vor allem der Gesamteffektivzins (auch "Gesamtkosten als jährlicher Prozentsatz" genannt) entscheidend, weil nur darüber ein Verleich mit anderen Angeboten ähnlicher Laufzeit möglich sei.
Mehr zu diesem Thema finden Sie im Juni-Heft der Zeitschrift "FINANZtest" oder (teils kostenpflichtig) hier im Internet-Angebot der Stiftung Warentest. Zu weiteren Untersuchungen der Stiftung Warentest zur Baufinanzierung siehe außerdem die News vom 2. April 2009, vom 28. Februar 2009, vom 10. Februar 2009, vom 4. November 2008, vom 4. August 2008 und vom 10. Juni 2008.
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