VZ Sachsen: Gefährliche Schönrechnerei - Ohne Eigenkapital und bei unsicherem Einkommen mit Bauvorhaben lieber noch warten
News vom 16. Dezember 2009
Quelle: Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Sachsen vom 16.12.2009
Finanzielle Sicherheit sollte bei einer Baufinanzierung für Bauherren oberstes Gebot sein. Stärker an die eigenen Finanzen denken offensichtlich manche Finanzvermittler. "Verbraucher, die dabei riskante Finanzierungsvorschläge nicht erkennen, laufen Gefahr, alles zu verlieren", warnt Andrea Heyer, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen. Wer bauen will, kann sich im Rahmen einer persönlichen Beratung gern von der Verbraucherzentrale Sachsen beim Konzipieren einer sicheren Finanzierung unterstützen lassen.
Familie R. hat auf Grund einer Baufinanzierungsberatung in der Verbraucherzentrale gerade noch Schlimmeres verhindern können. Sie ließ ein ihnen wenige Tage zuvor unterbreitetes Angebot eines Leipziger Kapital- und Wirtschaftsdienstes anbieterunabhängig überprüfen. "Dabei mussten sie erfahren, wie schlecht, ja sogar falsch sie beraten worden waren", sagt Heyer. "Da die Widerrufsfrist noch nicht abgelaufen war, konnten die Verträge gerade noch rechtzeitig ohne finanzielle Verluste gelöst werden."
Von dem Wunsch geleitet, aus Bayern nach Leipzig zurückzukehren, hatte Familie R. einen Hausbau für 155.000 Euro ins Auge gefasst. Obwohl derzeit nur der Ehemann als Fernfahrer das Einkommen für Frau und Kind verdient, kein Eigenkapital, dafür aber noch erhebliche Schulden vorhanden waren, stellte der Vermittler ein günstiges Baudarlehen über 220.000 Euro in Aussicht.
"Richtig wäre es gewesen, der Familie in dieser Situation von einer sofortigen Umsetzung ihres Bauwunsches abzuraten", ist Heyers Meinung. Experten sind sich einig, dass Bauherren mindestens 20 besser aber 30 Prozent der Gesamtkosten als Eigenkapital verfügbar haben sollten. Außerdem sollte ein gesichertes monatliches Einkommen fließen, aus dem neben den monatlichen Raten für das Baudarlehen auch noch der Alltag bezahlt werden kann. Dabei sollte auch daran gedacht werden, dass zum Beispiel außerplanmäßig eine Autoreparatur zu bezahlen sein könnte oder plötzlich eine neue Waschmaschine angeschafft werden müsste.
Solche Gedanken lagen dem Anbieter jedoch offensichtlich fern. Ganz eilig hatte er es hingegen mit dem Abschluss eines Investment-Sparvertrages und einer separaten Vermittlungsvereinbarung. Über 30 Jahre sollte die Familie monatlich 100 Euro in den Sparvertrag einzahlen. Dafür sollten Anteile an einen auf US-Dollar und einen auf Euro notierten Aktienfonds gekauft werden. Für die Vertragsvermittlung sollten die Verbraucher 3.202,00 Euro zahlen, die auch dann angefallen wären, wenn der Sparvertrag nicht weiter bedient würde. "Darin vermuten wir den eigentlichen Zweck des Geschäfts", glaubt Heyer.
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