Luftdichtemessung am Haus durchführen: Vorgehen und Grenzwerte

Luftdichtheitsschicht gegen Wasserdampfkonvektion am Haus: So geht’s!

Ob Ihr Haus wirklich dicht ist, lässt sich mit dem Luftdichtheitstest feststellen. Bei diesem anerkannten Verfahren wird ein Gebläse in die Haustür oder in ein Fenster Ihres Hauses eingesetzt (Blower-Door-Verfahren). Das Gerät wird im Rahmen luftdicht angeschlossen und kann einen vorgeschriebenen Über- und Unterdruck erzeugen.

Während des künstlich erzeugten Unterdrucks können zum Beispiel mithilfe von weiteren Messgeräten (Thermoanemometer) Leckagen und Undichtigkeiten in der Gebäudehülle festgestellt oder bei Überdruck durch den Einsatz von „Theaternebel“ sichtbar gemacht werden.

Die Luftdichtheitsprüfung sollte vor der Abnahme der Bauleistung erfolgen um mögliche Lecks entdecken zu können und zu beheben.

Die Dichtheit der Gebäudehülle wird nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) zwar vorausgesetzt, ein Nachweis muss aber in der Regel nicht erbracht werden. Nur bei Passivhäusern und KfW-geförderten Häusern muss dieser Nachweis erbracht werden.

Was Sie beachten müssen:

  • Entsprechend der Luftdichtheit Ihres Hauses muss Luft hinein- bzw. hinausgeblasen werden, um den Druck konstant zu halten. Bis zu einem bestimmten Wert können Undichtigkeiten akzeptiert werden. Werden Undichtheiten festgestellt, müssen diese erst beseitigt werden, damit der Test erfolgreich abgeschlossen werden kann.
  • Der Zeitpunkt der Begutachtung sollte mit dem Bauleiter und dem Qualitätssicherer frühzeitig abgesprochen werden.
  • In § 5 EnEV werden Anforderungen an die Luftdichtheit von Neubauten gestellt, die einzuhalten sind. Sie verpflichtet Unternehmen aber nicht, eine Überprüfung mit einem Blower-Door-Verfahren vorzunehmen, ohne den aber die Einhaltung der EnEV in diesem Punkt nicht überprüfbar ist. Sie sollten deshalb vertraglich vereinbaren, dass ein Blower-Door-Verfahren durchgeführt werden muss.

Typische Stellen, wo Zugluft eindringt, sind vielfältig z. B.

  • im Dach an sichtbaren Sparren und Kehlbalken
  • bei Fugen an Fenstern und Türen
  • Elektroinstallationen in den Außenwänden
  • Einbaustrahlern in Decken
  • Durchführungen von Installationen durch Decken
Tipp

Wir empfehlen, die folgende Vereinbarung zur Durchführung einer Luftdichtheitsmessung in den Vertrag aufzunehmen:

Das Haus ist mit geeigneten Materialien dauerhaft luftdicht auszuführen. Die Luftdichtheit ist durch Messung nach der im Entwurf vorliegenden DIN EN ISO 9972 von einem unabhängigen Institut nachzuweisen.

Dabei darf die in DIN 4108-7 festgelegte Luftwechselrate von

  • 1,0/Stunde (zulässig bis 1,5) für Gebäude mit mechanischer Lüftungsanlage bei Einbau einer kontrollierten Lüftungsanlage und
  • 3,0/Stunde für Gebäude ohne mechanische Lüftungsanlage bei einem Differenzdruck von 50 Pascal nicht überschritten werden.

Bezugsgröße für das Luftvolumen ist dabei das tatsächliche Innenvolumen der beheizten Räume.

Besondere Informationen

So verhindern Sie Wasserdampfkonvektion am Haus mit einer Luftdichtheitsschicht

Unter Wasserdampfkonvektion versteht man den Transport von Wasserdampf durch ein luftdurchlässiges Bauteil auf Grund eines Gesamt-Druckgefälles zwischen innen und außen. Fugen, Löcher und Risse in Sperrschichten sowie poröse Bauteilschichten ermöglichen Luftströmungen und somit das Eintreten der feuchten Luft ins Bauteil. Unter ungünstigen Bedingungen kann dort der Wasserdampf zu Wasser kondensieren (Tauwasserausfall) und das Bauteil durchfeuchten.

Diese Feuchtigkeit beeinträchtigt nicht nur die Dämmwirkung, sie kann auch die betroffenen Bauteile beschädigen. Daher muss auf Luftdichtheit insbesondere bei den Anschlüssen an Trennwänden, Decken, Fußböden oder durchstoßenden Bauteilen sehr genau geachtet werden.

Wie wird Wasserdampfkonvektion verhindert?

Erforderlich ist eine Luftdichtheitsschicht, die den direkten Luftdurchtritt von innen nach außen und umgekehrt verhindert.

  • Zweckmäßiger Weise sollte diese Schicht zugleich den in der Raumluft befindlichen Wasserdampf abhalten, also Luftdichtheitsschicht und Dampfsperre (siehe oben Feuchtediffusion) in einem sein.
  • Bei einer massiv gemauerten, verputzten Wand übernimmt die Putzschicht diese Funktionen.
  • Bei Leichtbaukonstruktionen und Dächern werden vorwiegend Bahnen aus Kunststoff bzw.  Bitumen Schweißbahnen gewählt.
  • Die Schicht ist auf der Warmseite (Raumseite) der Dämmung einzubauen.
  • Bei Durchdringungen und angrenzenden Bauteilen ist sie dauerhaft dicht anzuschließen.
  • Bei einem angrenzenden Bauteil hat der Anschluss grundsätzlich an dessen Luftdichtheitsschicht zu erfolgen.
  • Durchbrüche als Folge von Installationen sind auf das Notwendige zu beschränken.
  • Alle anderen Installationen – wie zum Beispiel im Bereich Wasser oder Elektrizität – sollten nach Möglichkeit zum Innenraum hin vor der Luftdichtheitsschicht untergebracht werden (Installationsebene). Ist dieses nicht möglich, sollten entsprechende inzwischen erhältliche Durchgangsmanschetten verwendet werden.
  • Die Dichtungsbahnen werden über geeignete Dichtungsbänder dauerhaft miteinander verbunden. Die Klebestellen an Folien sind möglichst zusätzlich durch Unterlagen konstruktiv zu unterstützen. Lose Überlappungen sind nicht zulässig.
Tipp

Allgemein gilt für die Abfolge unterschiedlicher Baustoffschichten, dass die Wärmeleitfähigkeit und die Dampfdichtigkeit von innen nach außen abnehmen muss. Der Wärmedurchlass-Widerstand (also Kehrwert der Leitfähigkeit) sollte dagegen von innen nach außen zunehmen.

Stand: 
Donnerstag, 12. Dezember 2019

Mit unserer Fördermittelsuche finden Sie die passenden Fördermittel mit wenigen Klicks…

weiter

Informieren Sie sich über die unterschiedlichen Beratungsangebote und die Leistungen von Energieeffizienz-Experten.

weiter

Gutachter und Sachverständige dienen zur Abnahme bestimmter Bauschritte und zur Qualitätsprüfung.  

weiter