Das neue Gebäudeenergiegesetzt (GEG) tritt am 1.November 2020 in Kraft!

GEG 2020 oder EnEV und EEWärmeG? Was gilt für künftige und laufende Bauprojekte?

Am 03.07.2020 hat der Bundesrat das Gebäudeenergiegesetz mit relevanten Neuerungen gegenüber der bisherigen EnEV und dem EEWärmG beschlossen. Das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) wurde am 13. August 2020 im Bundesgesetzblatt verkündet. Das GEG tritt am 1. November 2020 in Kraft. Die Bundesregierung setzt damit den Koalitionsvertrag, das Klimaschutzprogramm 2030 und die Beschlüsse des Wohngipfels 2018 um. Das Gebäudeenergiegesetz schafft ein neues, einheitliches, aufeinander abgestimmtes Regelwerk für die energetischen Anforderungen an Neubauten, an Bestandsgebäude und an den Einsatz erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteversorgung von Gebäuden.

Hintergrund der Reformierung

Anlass einer Neuformulierung der bestehenden Gesetze war die sogenannte EU-Gebäuderichtlinie von 2010. Diese schreibt den Mitgliedstaaten vor, einen Standard für Niedrigstenergiegebäude festzulegen und dafür Sorge zu tragen, dass alle neu errichteten Gebäude ab 2021 diesem Standard entsprechen. Mit der Neuerung des EnergieeinsparG im Jahr 2013 hat die Regierung dieses Ziel auch im nationalen Recht verankert. Gleichzeitig mit der Verschärfung der EnEV im Jahr 2014 entschied sich die Regierung zusätzlich dafür, eine grundlegende Vereinfachung und Zusammenführung der Instrumente, die die Energieeinsparung und die Nutzung erneuerbarer Energien in Gebäude regeln, durchzusetzen. Gemeint sind die EnEV, die energieeffiziente Gebäude vorschreibt, und das EEWärmeG, das die teilweise Deckung des Energiebedarfs mit erneuerbaren Energien verlangt. Die beiden Gesetze sind nie aufeinander abgestimmt worden, was bis zum jetzigen Zeitpunkt immer wieder zu Problemen führte. Im Jahr 2015 stellte schließlich ein Gutachten fest, dass eine bloße Zusammenlegung nachteilig wäre. Eine strukturelle Neukonzeption von EnEV und EEWärmeG sei notwendig. Das war der Startschuss für das Gebäudeenergiegesetz.

Mit der Annahme des Regierungsentwurfs gilt künftig ein einheitliches Anforderungssystem, in dem Energieeffizienz und erneuerbare Energien integriert sind. Die ordnungsrechtlichen Vorgaben folgen laut Regierung weiterhin dem Ansatz, den Primärenergiebedarf von Gebäuden gering zu halten, dazu den Energiebedarf eines Gebäudes von vornherein durch einen energetisch hochwertigen baulichen Wärmeschutz – vor allem durch gute Dämmung, gute Fenster und Vermeidung von Wärmebrückenverlusten – zu begrenzen und den verbleibenden Energiebedarf zunehmend durch erneuerbare Energien zu decken. Durch einen hochwertigen baulichen Wärmeschutz werde sichergestellt, dass auch erneuerbare Energien so effizient wie möglich genutzt werden.

Mit dem Gebäudeenergiegesetz werden die europäischen Vorgaben zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden umgesetzt und die Regelung des Niedrigstenergiegebäudes in das vereinheitlichte Energieeinsparrecht integriert. Die aktuellen energetischen Anforderungen für den Neubau und den Gebäudebestand gelten weiterhin. 


Was bedeutet das für Bauherren & ihre Bauprojekte sowie für Hausbesitzer?

Das Gesetz gliedert sich in neun Teile, von denen für Hausbesitzer vor allem die ersten sechs Kapitel von großer Bedeutung sind. Bei diesen handelt es sich um:

1. Allgemeiner Teil

Darin wird Grundsätzliches festgelegt, wie Anwendungsbereiche und Begriffsbestimmungen.

2. Anforderungen an zu errichtende Gebäude

Dieser Teil schreibt vor, welche energetischen Anforderungen Neubauten zu erfüllen haben und wie diese berechnet werden. Auch die Vorgaben zur Nutzung erneuerbarer Energien sind hier enthalten.

3. Bestehende Gebäude

In diesem Teil sind die Vorgaben für Bestandsgebäude festgehalten, sowohl an die Energieeffizienz als auch an die Nutzung erneuerbarer Energien.

4. Anlagen der Heizungs-, Kühl und Raumlufttechnik sowie der Warmwasserversorgung

Hier finden sich alle Vorgaben für die Anlagentechnik, sowohl für bereits in Betrieb befindliche Anlagen als auch für neue Anlagen.

5. Energieausweise

Was alles in einem Energieausweis erwähnt werden muss und wie er ausgestellt und verwendet werden muss, ist in diesem Teil zusammengefasst.

6. Finanzielle Förderung

Im sechsten Teil geht es um Fördermittel und welche Maßnahmen gefördert werden.
 

Was gilt für künftige und laufende Bauprojekte?

Bauherren sollten sich frühzeitig einen Überblick für ihre Bauprojekte verschaffen:

  • Bereits laufende Bauprojekte

Wenn ein Bauvorhaben bereits genehmigt ist, ändert sich nichts für seine Planung und Ausführung. Es gelten weiterhin die bisherigen Regeln der parallel laufenden EnEV 2014EnEV ab 2016EnEG 2013 und EEWärmeG 2011.

Maßgeblich ist das Datum, an dem der Bauherr den Bauantrag eingereicht, die Anzeige erstattet oder bei nicht genehmigungs- und anzeigenpflichtigen Bauprojekten, mit der Ausführung begonnen hat. Diejenigen Energiesparregeln, die an diesem Tag in Kraft waren, gelten weiterhin für das Bauprojekt.

Doch Achtung: Für einige Bauvorhaben, wie Bauträger-Projekte, darf NICHT eine zu große Zeitspanne liegen zwischen dem Einreichen des Bauantrags und der Übergabe an den Käufer der neuen Wohnung, Haus oder sonstigem Objekt. Der Baustandard des Gebäudes bei der Übergabe muss demjenigen entsprechen, den auch andere vergleichbare, zum selben Zeitpunkt fertig gestellte Bauprojekte, aufweisen.
 

Bauantrag bis spätestens 31. Okt. 2020 einreichen:
Für das Bauvorhaben gelten weiterhin die Regeln der EnEV 2014, bzw. EnEV ab 2016 sowie des EEWärmeG 2011.

Bauantrag ist am 1. Nov. 2020 noch nicht genehmigt:
In dieser Situation können Sie als Bauherr für Ihr Projekt fordern, dass es gemäß den Anforderungen des GEG 2020 geprüft und genehmigt wird. Dafür müssen aber auch die Architekten, bzw. Planer das Projekt nach den neuen Regeln des GEG 2020 geplant und die Nachweise entsprechend geführt haben.

Bauantrag am 1. Nov. 2020 oder später einreichen:
Es gelten die Regeln des neuen GebäudeEnergieGesetzes (GEG 2020).
 

  • Bauprojekte mit neuer Bauanzeige

Bauanzeige bis spätestens 31. Okt. 2020 erstatten:
Für das Bauvorhaben gelten weiterhin die Regeln der EnEV 2014, bzw. EnEV ab 2016 sowie des EEWärmeG 2011.

Bauanzeige am 1. Nov. 2020 oder später erstatten:
Es gelten die Regeln des neuen GebäudeEnergieGesetzes (GEG 2020).

 

  • Bauprojekt ohne Genehmigung oder Anzeige

Ausführung bis spätestens 31. Okt. 2020 beginnen:
Für das Bauvorhaben gelten weiterhin die Regeln der EnEV 2014, bzw. EnEV ab 2016 sowie des EEWärmeG 2011.

Ausführung am 1. Nov. 2020 oder später beginnen:
Es gelten die Regeln des neuen GebäudeEnergieGesetzes (GEG 2020).


Alle Änderungen und Neuerungen im Überblick

Modellgebäudeverfahren
Wie von der Koalition gewünscht, wird das bisherige Anforderungsniveau nicht angehoben. Damit bleiben die derzeit in der EnEV geforderten Werte bestehen. Für die Errichtung von Wohngebäuden gibt es nun allerdings eine alternative Möglichkeit des Nachweisverfahrens: das neue Modellgebäudeverfahren. Mit dem Verfahren können Hausbesitzer die Einhaltung der GEG-Anforderungen anhand von Mindestqualitäten der Maßnahmen nachweisen, ohne dass energetische Berechnungen für den Nachweis erforderlich sind. Die bei der Berechnung des zulässigen Jahres-Primärenergiebedarfs zu verwendenden Primärenergiefaktoren werden nun direkt im GEG geregelt. Dies erhöht die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Primärenergiefaktoren für Bauherren und Eigentümer.

Energieberatung
Käufern von Ein- oder Zweifamilienhäusern soll in Zukunft vom Verkäufer oder Immobilienmakler ein Beratungsgespräch mit einem Energieberater, der zur Ausstellung eines Energieausweises berechtigt ist, angeboten werden. Ein Beratungsgespräch ist ebenfalls verpflichtend, wenn umfassend nach den Vorgaben des GEG renoviert wird.

Austausch Öl- und Kohleheizkessel
In dem Fall, wenn ein Hausbesitzer in einem bestehenden Gebäude seinen alten Öl- und Kohleheizkessel gegen einen neuen austauschen will, wird das ab 2026 nur dann möglich sein, wenn in dem Gebäude der Wärme- und Kältebedarf teilweise durch erneuerbare Energien gedeckt wird. Ausnahmen sind möglich.

Nutzung von erneuerbaren Energien
Auch beim Neubau von Häusern ist zukünftig die anteilige Nutzung von erneuerbaren Energien zum Heizen oder Kühlen des Gebäudes vorgeschrieben, wozu auch die Nutzung von gebäudenah erzeugtem Strom aus erneuerbaren Energien zählt. Hier gibt es allerdings einige Ausnahmefälle. Darüber hinaus kann die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien aus gebäudeeigenen Anlagen bei der energietischen Bilanzierung angerechnet werden.

Einsatz von Biomethan wird anerkannt
Nach dem Gebäudeenergiegesetz ist es möglich, die Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien auch mit Biomethan, Biogas oder biogenem Flüssiggas zu erfüllen. Voraussetzung ist, dass bei Nutzung von Biomethan in einem Kessel der Wärme- und Kälteenergiebedarf zu mindestens 50 % gedeckt werden, während bei Biomethan in einer KWK-Anlage 30 % ausreicht.

Beim Einsatz von Biomethan in einer KWK-Anlage gilt im Vergleich zu fossilen Energieträgern der Faktor 0,5. Wird das grüne Gas in einem Brennwertkessel verheizt, gilt ein Wert von 0,7. In bisherigen Entwürfen des Gesetzes war sie mit der Wärme aus Erdgas und Steinkohle (Faktor 1,1) gleichgesetzt worden, was eindeutig wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprach.

Auch die Faktoren für andere Biogasanwendungen werden abgesenkt. Und die Wärmeerzeugung aus Biomethan in einem Brennwertkessel ist Option anerkannt, die im Gesetz festgelegte Nutzungspflicht für erneuerbare Energien zu erfüllen.

Innovations­klausel und quartiersbezogene Bilanzierung
Der neue § 103, die sogenannte Innovations­klausel, ist als Versuch gedacht. Aus diesem Grund ist sie zeitlich begrenzt: Dieser Paragraph ist nur bis zum Ende des Jahres 2023 gültig. Bei einer ent­sprechenden Befreiung der zuständigen Behörde kann die Ein­haltung der vor­geschriebenen Anforderungen nicht nur über den Primär­energie­bedarf, sondern statt­dessen auch über eine Be­grenzung der Treib­haus­gas­emissionen des Gebäudes sicher­gestellt werden. Hierbei muss auf Gleich­wertigkeit geachtet werden. Zusätzlich gilt eine weitere Regel: Der End­energie­bedarf des Gebäudes darf bei Neubauten den 1,2fachen und bei Sanierungen den 1,25fachen Wert des Endenergie­bedarfs des Referenz­gebäudes nicht überschreiten.

Daneben ist zur Berechnung des Energiebedarfs eine quartiersbezogene Energiebilanzierung zulässig. Damit sind nach derzeitigem Gebäudeenergiegesetz unterschiedliche Energiestandards in einem Quartier möglich, solange die Anlage in ihrer Gesamtheit die Anforderungen erfüllt. Voraussetzung dafür ist eine gemeinsame Planung und die Realisierung innerhalb von 3 Jahren. 

Das GEG setzt damit neue Impulse zur Nutzung innovativer Ansätze beim energieeffizienten Bauen.

Energieausweise dürfen nun neben Personen mit berufsqualifizierendem Hochschulabschluss oder gleichwertigen Abschlüssen bzw. Fortbildungen auch von Handwerkern ausgestellt werden. Außerdem müssen Kohlendioxidemissionen zukünftig im Energieausweis des Gebäudes angegeben werden. Zusätzlich gelten strengere Sorgfaltspflichten. Damit enthält ein Energieausweis zusätzliche Informationen, die die Klimawirkung berücksichtigen.

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