Energieeinsparverordnung EnEV: Hinweise zu den gesetzlichen Anforderungen

Erhalten Sie hier Hinweise zur Energieeinsparverordnung und den gesetzlichen Anforderungen an den Wärmeschutz. Auf Gebäude entfallen knapp 40 Prozent des Energieverbrauchs und rund ein Drittel der CO2-Emissionen in Deutschland. Die Einsparung von Energie in diesem Bereich bietet daher ein enormes Potenzial, um die Abhängigkeit Deutschlands von Energieimporten zu verringern und die Klimaschutzziele zu erreichen. Die energetischen Anforderungen an Gebäude werden in der Energieeinsparverordnung (EnEV) festgelegt.

Die derzeitige Fassung der EnEV ist am 1. Mai 2014 in Kraft getreten. Im Zuge dieser Verordnung sind ab 2016 die energetischen Anforderungen an Neubauten etwas erhöht und an den aktuellen Stand der Technik angepasst worden. Ziel der EnEV ist es, die energetische Qualität der Gebäude zu verbessern und auf einen bestmöglichen energetischen Standard zu bringen.

Die EnEV regelt vor allem die gesetzlichen Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz und die Anlagentechnik bei Wohn- und Nichtwohngebäuden. Der energetische Standard wird nach der energetischen Qualität Ihres Gebäudes bemessen. Dabei werden die Höchstwerte der Referenzgrößen „Primärenergiebedarf” und „Transmissionswärmeverlust" mit den für den Neubau oder der Modernisierungsmaßnahme geplanten Berechnungswerten verglichen. Die Höchstwerte der beiden Kennzahlen werden in der EnEV definiert. Aus dem Vergleich erfolgt die Zuordnung in einen der Förderstandards. Dazu gehören die Standards KfW-Effizienzhäuser und Passivhaus.

Ein KfW-Effizienzhaus 100 entspricht zum Beispiel den Vorgaben der EnEV. Ein KfW-Effizienzhaus 85 verbraucht 85 % der Energie eines vergleichbaren Neubaus nach EnEV, ein KfW-Effizienzhaus 55 sogar nur 55 %. Dabei gilt: Je kleiner die Zahl, desto niedriger und besser das Energieniveau.

Tipp

Die Anforderungen der EnEV sind sehr komplex und nicht leicht verständlich. Sie sollten sich vor einer Entscheidung für eine Bauweise, den geplanten Baumaßnahmen und der Beantragung von Fördermitteln immer von professionellen Sachverständigen beraten lassen. Die unabhängigen Experten der Verbraucherzentralen stehen Ihnen dafür gerne zur Verfügung.

Besondere Informationen

Privathaushalte

Für Privathaushalte sind vor allem drei Bereiche der EnEV relevant:

  • Aufwertung des Energieausweises seit 1.5.2014: Neu ausgestellte Energieausweise ordnen die Immobilie künftig einer Energieeffizienzklasse von A+ bis H zu. Diese Angabe muss bereits in der Immobilienanzeige angegeben werden. Spätestens bei der Besichtigung muss dann der Energieausweis vorgelegt und bei Vertragsabschluss auch ausgehändigt werden.

  • Ausweitung der Pflicht zum Heizkesseltausch seit 1.1.2015: Standardheizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen betrieben werden, müssen künftig ausgetauscht werden, wenn sie älter als 30 Jahre sind, also vor 1985 eingebaut wurden. Für Eigenheimbesitzer gilt die Pflicht jedoch nur, wenn das Haus ab 2002 bezogen wurde. Sinnvoll kann der Tausch aber dennoch sein, da neuere Heizkessel erheblich effizienter arbeiten.

  • Gestiegene Effizienzanforderungen an Neubauten seit 1.1.2016: Der maximal zulässige Primärenergiebedarf wird gegenüber der EnEV 2009 um 25 Prozent verringert. Heizung und Warmwasserbereitung müssen also entsprechend sparsamer arbeiten. Positiv berücksichtigt wird der Einsatz erneuerbarer Energien. Ebenfalls werden die Anforderungen an die Wärmedämmung der Außenfassade um durchschnittlich 20 Prozent erhöht. Bei der Sanierung bestehender Gebäude gibt es dagegen keine wesentlichen Neuerungen, hier gelten weiterhin die Anforderungen der EnEV 2009.

Berechnung der Primärenergie

Die Primärenergie berechnet sich aus der Energiemenge, die in das Haus geliefert wird, der sogenannten Endenergie, und dem genutzten Energieträger und dessen Auswirkungen auf die Umwelt. Energie aus regenerativen Energien wie Strom aus Solarkollektoren wird bei der energetischen Bilanz besser bewertet als Öl oder Gas.

In die Energiebilanz fließt jeglicher für den Unterhalt eines Hauses notwendiger Energieverbrauch ein: Neben der Raumheizung und -kühlung (Klimaanlage) gehören die Warmwasserbereitung, Lüftungsanlagen sowie elektrische Hilfsenergie für Pumpen, Brenner oder Regler dazu.

Weitere Parameter sind die Luftdichtheit des Gebäudes und die Reduzierung von Wärmebrücken. Ein neues Wohngebäude, das die Mindeststandards der aktuellen EnEV gerade noch einhält, benötigt zur Beheizung und Bereitung von Warmwasser rund 50 bis 60 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter und Jahr – das entspricht bei einem Einfamilienhaus jährlich etwa 630 Liter Öl.

Neubau

Die Anforderungen der EnEV an Neubauten unterscheiden sich von denen an Bestandsgebäuden. Neubauten müssen nach den Anforderungen der EnEV in unterschiedlichen Effizienzhausstandards errichtet werden. Die energetischen Werte der Effizienzhäuser liegen teilweise weit über den in der EnEV genannten Anforderungen.

Seit dem Jahr 2016 gelten wie breits erwähnt für Neubauten um 25 Prozent höhere energetische Anforderungen als bisher. Diese können etwa durch die Nutzung erneuerbarer Energien erfüllt werden. Gleichzeitig ist der Dämmstandard um durchschnittlich 20 Prozent gestiegen. Die erhöhten Anforderungen sind ein Schritt hin zum so genannten "Niedrigstenergiegebäude", das ab dem Jahr 2021 europaweit als Neubaustandard gelten soll. Niedrigstenergiehäuser zeichnen sich durch eine sehr gute Gesamtenergieeffizienz aus, das heißt, sie benötigen nur noch sehr wenig Energie, die wiederum möglichst regenerativ erzeugt wird.

Wer heute beim Bau eines Hauses nach den Mindeststandards der EnEV baut, läuft Gefahr, dass die neue Immobilie kurz nach Fertigstellung bautechnisch überholt ist. Daher empfiehlt es sich, schon jetzt nach zukünftigen Effizienzstandards zu bauen. Beispielhaft dafür ist der bereits in vielen tausend Wohneinheiten bewährte Passivhausstandard. Ein Passivhaus kommt schon jetzt mit ungefähr der Hälfte der Energie aus, die die neue Verordnung ab 2016 noch im Neubau zulässt.

Sie können Ihr Bauvorhaben mit interessanten Krediten und Zuschüssen vom Bund fördern lassen, zum Beispiel durch die Förderbank KfW und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Voraussetzungen dafür sind bessere Gebäudewerte als in der EnEV vorgeschrieben. Auch die Bundesländer vergeben attraktive Förderkredite - finden Sie ihr passendes Förderprogramm mit unserer Fördermittelsuche.

Austausch- und Nachrüstverpflichtungen für Mehrfamilienhäuser

Diese Vorgaben gelten für alle Mehrfamilienhäuser unabhängig von einer Sanierung. Ein- und Zweifamilienhäuser sind davon ausgenommen, wenn der Eigentümer bereits seit Anfang 2002 selbst im Gebäude wohnt. Wurde das Gebäude allerdings in der Zwischenzeit verkauft, muss der neue Eigentümer die Pflichten innerhalb von zwei Jahren erfüllen.

  • Öl- und Gas-Standardheizkessel, die vor dem 1. Oktober 1978 eingebaut worden sind, dürfen nicht mehr betrieben und müssen ausgetauscht werden. Ab 2015 gilt dies darüber hinaus für Kessel, die älter als 30 Jahre sind. Zunächst sind dann also vor 1985 eingebaute Geräte betroffen. Die Austauschpflicht gilt jedoch nur für Konstanttemperaturkessel üblicher Größe, nicht aber Brennwert- oder Niedertemperaturanlagen mit einem besonders hohen Wirkungsgrad. Die Bedienungsanleitung der Heizungsanlage gibt meist Auskunft über den Kesseltyp. Wer unsicher ist, ob er von der Austauschpflicht betroffen ist, kann seinen Schornsteinfeger fragen.

  • Heizungs- und Warmwasserrohre in unbeheizten Räumen müssen gedämmt werden.

  • Oberste Geschossdecken zu unbeheizten Dachräumen müssen bis Ende 2015 nachträglich gedämmt werden, wenn sie keinen so genannten "Mindestwärmeschutz" aufweisen. Bei Holzbalkendecken genügt es, die Hohlräume mit Dämmstoff zu füllen. Die Dämmpflicht gilt für alle zugänglichen obersten Geschossdecken, unabhängig davon, ob sie begehbar sind oder nicht ‒ also zum Beispiel für Spitzböden, aber auch für nicht ausgebaute Aufenthalts- oder Trockenräume. Alternativ dazu kann auch das darüber liegende Dach gedämmt werden.

Anforderungen bei Erneuerung oder Modernisierung

Bei Sanierung und Modernisisierung bzw. Veränderung von Bauteilen gelten Mindeststandards, z.B. wenn der Putz einer Fassade erneuert wird oder die Fenster ausgetauscht werden sollen. Soll das Haus nur neu gestrichen werden, greift die EnEV nicht. Wenn ohnehin schon ein Gerüst aufgestellt wird, ist es sinnvoll die Malerarbeiten mit einer Dämmung der Fassade zu verknüpfen.

Bei der Erneuerung von Bestandsbauten gibt es zwei Möglichkeiten, die EnEV-Anforderungen zu erfüllen:

  • Bei umfassenden Modernisierungen wird – vergleichbar mit einem Neubau – eine energetische Gesamtbilanzierung durchgeführt. Der Primärenergiebedarf des sanierten Gebäudes darf dabei wesentlich höher bleiben als der eines entsprechenden Neubaus. Seit die Neubauanforderungen Anfang 2016 um 25 Prozent gestiegen sind, ist ein bis zu 87 Prozent höherer Energiebedarf im Vergleich zum Neubau zulässig.

  • Erfolgen nur einzelne Sanierungen (zum Beispiel Dämmung der Fassade) oder werden lediglich Bauteile erneuert (etwa Austausch der Fenster), gibt die EnEV bestimmte Anforderungswerte an den Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) des Bauteils vor. Die Werte haben sich mit Inkrafttreten der EnEV 2014 im Vergleich zur früheren Fassung nicht verändert. Lediglich für Haustüren und andere Außentüren wurden die energetischen Anforderungen etwas verschärft, wobei moderne Türen diese Vorgaben ohnehin schon längst erfüllen. Außerdem wurden die Anforderungen an einzelne Dämmstoffe neu geregelt, was es nun erleichtert, bei einer Sanierung Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen einzusetzen.

Sanierungskonfigurator

Mit dem Sanierungskonfigurator des Wirtschaftsministeriums können Hausbesitzer den Energiebedarf ihres Wohngebäudes abschätzen und damit simulieren, wie sich verschiedene Energiesparmaßnahmen, z.B. eine Wärmedämmung oder die Heizungserneuerung auswirken. Der Sanierungskonfigurator ersetzt allerdings keine individuelle Energieberatung.

Weitere Regelungen und Vorschriften

  • Klima- und Lüftungsanlagen: Klimaanlagen müssen regelmäßig geprüft werden. Die Inspektion dürfen nur fachkundige Personen ausführen. Diese haben dem Betreiber eine Bescheinigung mit den Ergebnissen der Überprüfung auszustellen, die den zuständigen Behörden auf Verlangen vorgezeigt werden muss. Neu eingebaute Klima- und Lüftungsanlagen müssen in bestimmten Fällen mit einer Einrichtung zur Wärmerückgewinnung ausgestattet sein. Bestehende Anlagen sind, wenn sie auch zur Luftentfeuchtung oder Luftbefeuchtung bestimmt sind, mit elektronischen Steuerungseinrichtungen nachzurüsten.

  • Kontrolle durch Sachverständige: Bei baulichen Änderungen bestehender Gebäude, die die Einhaltung der EnEV erfordern, muss sich der Bauherr die Einhaltung der Anforderungen von einem Sachverständigen für Wärmeschutz bestätigen lassen. Bei genehmigungsfreien Vorhaben erfolgt die Bestätigung durch das jeweilige Fachunternehmen (Unternehmererklärung). Die Bescheinigung ist vom Gebäudeeigentümer mindestens fünf Jahre lang aufzubewahren und der zuständigen Behörde auf Verlangen vorzuzeigen.

  • Kontrolle durch Schornsteinfeger: Die bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger überprüfen im Rahmen der Feuerstättenschau, ob alte Heizkessel ausgetauscht und die Rohrleitungen gedämmt wurden und ob die heizungstechnischen Anlagen der EnEV entsprechen. Bei Verstößen setzt der Schornsteinfeger dem Gebäudeeigentümer eine Frist, um den Auflagen nachzukommen. Lässt der Eigentümer die Frist verstreichen, wird die zuständige Behörde informiert.
Tipp

Verstöße gegen die EnEV können von den Behörden als Ordnungswidrigkeit geahndet und mit einem Bußgeld belegt werden. Als Ordnungswidrigkeit gilt beispielsweise, wenn die Anforderungen an die energetischen Eigenschaften im Neubau oder bei der Sanierung nicht eingehalten, Energieausweise nicht vorgelegt oder Klimaanlagen nicht überprüft werden.

Stand: 
Dienstag, 9. August 2016

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Gutachter und Sachverständige dienen zur Abnahme bestimmter Bauschritte und zur Qualitätsprüfung.  

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