Trockenbau-ABC: Eine Übersicht unterschiedlicher Anwendungsbereiche beim Hausbau

Trockenbau – was ist das?

Der Trockenbau hat sich in Deutschland seit den 1950er Jahren als Bauweise für den Um- und Ausbau etabliert – sowohl im Neubau als auch im Gebäudebestand. Der Begriff Trockenbau ist nicht exakt definiert. Er beschreibt die trockene Montage vorgefertigter Elemente wie zum Beispiel Gipsplatten. Feuchte Baustoffe wie Mörtel oder Gips werden nur zum Schließen von Fugen eingesetzt. Dieses Verfahren lässt sich vor allem bei der Innenraumgestaltung vielseitig anwenden und erlaubt eine flexible, schnelle und kostenoptimierte Bauweise. Trotz der relativ einfachen Konstruktionsweise können die üblichen bauphysikalischen Anforderungen zum Beispiel bei Wärmedämmung, Schallschutz oder Brandschutz erfüllt werden.

Einsatzbereiche für den Trockenbau

Die Einsatzbereiche von Trockenbausystemen sind vielfältig. Durch moderne Materialien und Systeme hat sich die Bauweise in fast allen Bereichen des Innenausbaus bewährt. In der Altbausanierung ist Trockenbau für den Ausbau bisher nicht genutzter Räume im Dach und Kellergeschoss oder bei der Modernisierung von Bädern sehr gut geeignet.

Die Anwendungsgebiete lassen sich in drei Hauptbereiche gliedern: nichttragende Wandsysteme, Boden- sowie Deckensysteme.

Anwendungsbereich Wandsysteme

Aus Trockenbau-Wandsystemen lassen sich Vorsatzschalen, Trennwände, Installationswände und halbhohe Wände inklusive Türen und Verglasungen realisieren. Durch moderne Materialien sind der Gestaltung kaum Grenzen gesetzt. Es können zum Beispiel auch runde und geschwungene Wände umgesetzt werden.

Am häufigsten werden Trockenbauwände als leichte Trennwände in Form von Einfach- oder Doppelständerwänden eingesetzt. Die Trennwände bestehen aus einer Unterkonstruktion und einer Beplankung.

Als Unterkonstruktion eignen sich Stahlblechprofile oder Holzkonstruktionen, die an den massiven Bauteilen von Wand, Boden und/oder Decke befestigt werden. Wichtig ist eine Anschlussdichtung mit Kitt oder Dämmstreifen. Die Beplankung wird in der Regel mit Platten aus Gipskarton bzw. Gipsfaserplatten ausgeführt. Das verwendete Plattenformat bestimmt auch das Montageraster der Unterkonstruktion. Die übliche Plattenbreite beträgt 62,5 cm. Die Hohlräume können, je nach Anforderung, mit Dämmmaterialien gefüllt werden.

Vorteilhaft ist, dass im Wandzwischenraum Leitungen der Gebäudetechnik verlegt werden können, beispielsweise im Sanitärbereich. Wenn Leitungen vorgesehen sind, ist auf die ausreichende Dimensionierung des Wandquerschnitts zu achten. Vorsatzschalen oder Schachtwände sind eine weitere übliche Bauart. Die Unterkonstruktion wird direkt an einem rückwärtigen Bauteil wie etwa einer Massivwand befestigt und nur nach vorn einseitig beplankt. Zahlreiche Anwendungen für Vorsatzschalen finden sich im Altbau, zum Beispiel um unebene Wände zu begradigen oder auf Putz verlegte Leitungen zu verkleiden. Für zahlreiche spezielle Nutzungen und bauphysikalische Anforderungen wurden Spezialsysteme entwickelt.

Anwendungsbereich Bodensysteme

Bei den Bodensystemen unterscheidet man Trockenunterböden und Systemböden. Trockenunterböden, auch Trockenestrich genannt, werden vor allem im Wohnungsbau eingesetzt. Sie bestehen aus vorgefertigten Platten, die trocken und meist schwimmend eingebaut werden. Je nach späterer Nutzung werden Platten aus Gipskarton, Holzwerkstoffplatten wie Spanplatten oder mineralische Platten verwendet. Genutzt werden auch Verbundplatten, bei denen die Wärmedämmung oder der Trittschallschutz schon fertig montiert ist. Bei unebenen Decken und Fußböden, insbesondere bei der Altbausanierung, muss ein Höhenausgleich vorgenommen werden. Bei kleineren Unebenheiten geschieht das durch Spachtelmasse, bei größeren durch Trockenschüttungen. Bei der Sanierung oder im Dachausbau werden Trockenunterböden vor allem wegen zwei Gründen eingesetzt: Sie erfordern nur eine geringe Bauhöhe und sie vermeiden Baufeuchte und sind daher schnell und ohne Trockenzeiten belastbar. Stärken zeigt das System vor allem bei Holzbalkendecken. Trockenunterböden haben sehr gute Eigenschaften beim Schall- und Brandschutz sowie in der Wärmedämmung.

Systemböden werden hauptsächlich im Gewerbebau eingesetzt, wo die Raumaufteilung nicht festgelegt ist oder bei einer neuen Nutzung angepasst werden soll. Als Doppel- oder Hohlraumböden erlauben sie ein flexibles Verlegen sowie den nachträglichen Einbau von Kabel- und Installationsleitungen.

Anwendungsbereich Deckensysteme

Unter Deckensystemen in Trockenbauweise versteht man leichte, nichttragende Montagedecken. Die Trockenbaukonstruktionen werden an der tragenden Dachkonstruktion bzw. Rohdecke befestigt. Die Systeme bestehen aus einer Unterkonstruktion und der Verkleidung.

Man unterscheidet auch hier verschiedene Systeme: Zum einen Deckenbekleidungen, bei denen die Unterkonstruktion direkt an der Rohdecke befestigt wird. Zum anderen abgehängte Decken, das sind Unterdecken, bei denen die Unterkonstruktion abgehängt ist. Die Vielzahl der am Markt erhältlichen Systeme eröffnen gestalterische Möglichkeiten, die von planen Decken bis zu frei gestalteten, gebogenen Formen reichen.

Die Deckensysteme können zudem für eine Vielzahl von technischen Funktionen eingesetzt werden. So lässt sich beispielsweise die Raumakustik sowie der (Tritt-)Schallschutz durch Trockenbausysteme deutliche verbessern, insbesondere bei Holzbalkendecken.

Bei abgehängten Decken kann der Hohlraum zwischen Rohdecke und Bekleidung für die Integration der Haustechnik genutzt werden. Alle Arten von Leitungen wie Elektro-, Daten- oder Sanitärleitungen können in diesem Zwischenraum verlegt werden. Deckensysteme können auch als Heiz- bzw. Kühldecke ausgeführt werden. Durch den Feuerwiderstand der gewählten Bekleidung kann der geforderte Brandschutz für bestimmte Installationen problemlos gewährleistet werden. Besonders bei den Deckensystemen müssen aus Sicherheitsgründen die statischen Gegebenheiten vor Ort berücksichtigt und die Einbauvorschriften eingehalten werden, zum Beispiel bei den zur Verwendung zugelassenen Dübeln und Schrauben. Vor allem bei der Modernisierung sollte als Fachmann ein Statiker hinzugezogen werden, der die Tragfähigkeit der Decke bewertet.

Bauphysikalische Vorteile

Die bauphysikalischen Eigenschaften von Trockenbausystemen sind vor allem beim Brand- und Schallschutz massiven Bauteilen gleicher Bauteildicke überlegen. Der Trockenbau ist besonders geeignet, kombinierte bauphysikalische Anforderungen wie Schall-, Feuchte-, Wärme- und Brandschutz zu erfüllen. Je nach Wahl der Systeme, der Unterkonstruktion, der Dämmstoffe und Plattenwerkstoffe ergibt sich eine Vielzahl möglicher Konstruktionen, um bestimmte geforderte Eigenschaften zu erreichen. Wegen des zusammengesetzten Aufbaus kann durch Ändern oder Hinzufügen von Komponenten wie etwa einer zusätzlichen Plattenlage oder eines anderen Plattenwerkstoffs eine Verbesserung der bauphysikalischen Eigenschaften erreicht werden. Des Weiteren kann eine bestehende Konstruktion zum Beispiel im Bestand durch den Einsatz von Trockenbausystemen gezielt verbessert werden.

Bäder und sonstige Feuchträume

Trockenbausysteme gibt es auch für Räume mit erhöhter Belastung durch Luftfeuchtigkeit, kondensierender Nässe oder Spritzwasser, etwa als Duschtrennwände oder als Bad-Vorwandinstallationen. Hier sind ein paar Besonderheiten zu beachten. Es dürfen nur Produkte verwendet werden, die auf die erhöhte Luftfeuchtigkeit abgestimmt und durch den Hersteller entsprechend gekennzeichnet sind, zum Beispiel imprägnierte Gipskartonplatten. Genauso wichtig wie die Plattenart ist die Abdichtung. Fugenspachteln sollten imprägniert sein, und bei der Verarbeitung ist sorgfältig darauf zu achten, dass keine Risse und Hohlräume entstehen, durch die Feuchtigkeit eindringen könnte. In Bereichen mit hoher Spritzwasserbelastung sind zusätzliche Dichtungsarbeiten notwendig, zum Beispiel mit Flüssigdichtfolie.

Nicht alle Aufgaben für Heimwerker geeignet Kleinere Baumaßnahmen oder Arbeitsschritte können geübte Heimwerker wegen der einfachen und trockenen Verarbeitung unter Umständen selbst ausführen. Bei Maßnahmen in Feuchträumen, beim Verlegen von Installationsleitungen und generell bei der Sanierung älterer Bausubstanz ist eine fachkundige Planung und Ausführung anzuraten. Planungs- und Ausführungsfehler können zu Schäden und erheblichen Folgekosten führen. Der richtige Ansprechpartner ist der Trockenbaumonteur, der einen anerkannten Ausbildungsberuf mit dreijähriger Lehrzeit ausübt.

Serviceangebote des BSB

Die Bauherrenberater des BSB können Bauherren und Hausbesitzer bei Innenausbauarbeiten beraten und die Qualität der Bauausführung kontrollieren. Insbesondere bei umfangreicheren Ausbau- oder Modernisierungsprojekten empfiehlt sich die Begleitung durch einen unabhängigen Sachverständigen.